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Times-Square-Bomber konnte fast entkommen

Briefkasten von Faisal Shahzad. Inzwischen wurde der Mann unter anderem wegen Terrorismus angeklagt.Großansicht
New York/Washington (dpa) - Durch eine Fahndungspanne und einen Fehler bei der Fluggesellschaft hat der Bombenleger vom Times Square fast entkommen können. Nach Angaben der «New York Times» vom Mittwoch hatten die Ermittler die Spur des schon identifizierten Faisal Shahzad für einige Stunden verloren.

Demnach hätten die Fahnder auch nicht mitbekommen, dass sich Shahzad, der seit einem Jahr US-Bürger ist, in sein Geburtsland Pakistan absetzen wollte. Erst am Flughafen habe die Spur wieder aufgenommen werden können, als ein Computersystem bei dem Namen des Gesuchten Alarm schlug.

Noch nicht geklärt war auch, wie der 30-Jährige überhaupt an Bord des Flugzeugs kommen konnte, obwohl schon nach ihm gefahndet wurde. Shahzad war von den FBI-Beamten kurz vor Mitternacht in der Nacht zum Dienstag aus dem Flugzeug geholt worden. Die Ermittler selbst sprachen von einem Zugriff in buchstäblich letzter Minute. Laut «New York Daily News» teilte die Fluggesellschaft «Emirates» erst mit, dass Shahzad ein Ticket gekauft habe, als der schon festgenommen war. Zugleich mahnte die Zeitung zu mehr Vorsicht: «Die letzten Anschläge sind nicht gescheitert, weil wir alles richtig, sondern weil sie (die Attentäter) etwas falsch gemacht haben.»

Ein Straßenhändler hatte am Samstagabend (Ortszeit) mitten auf dem Times Square einen Geländewagen entdeckt, in dem ein Karton qualmte. Die Polizei räumte den Platz, auf dem es stets von Menschen wimmelt, und ließ den Wagen von Bombenexperten untersuchen. Die Spezialisten fanden einen Sprengsatz aus Propangasflaschen und Benzinkanistern, der jedoch nicht explodiert war. Der Platz wurde stundenlang gesperrt, Menschen kamen nicht zu Schaden.

Im Verhör gestand der Pakistaner mit US-Pass die Tat. Er gab außerdem zu, in Pakistan eine Sprengstoffausbildung erhalten zu haben. Er habe aber allein gehandelt. Er wurde mehrerer Verbrechen angeklagt, unter anderem wegen Terrorismus und des versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe. Ihm droht lebenslange Haft.

Inzwischen äußerte die pakistanische Armee Zweifel, dass tatsächlich die Taliban Urheber des gescheiterten Anschlags sind. Es sei fraglich, ob die islamistische Gruppe dazu fähig sei, Anschläge in den USA oder in Europa zu organisieren. «Wir haben durch unsere jüngsten Aktionen ihre Verstecke, Trainingslager und Rekrutierungspunkte zerstört. Ich glaube nicht, dass sie derzeit in der Lage sind, Ziele in Amerika oder sonstwo in der Welt anzugreifen», sagte Generalmajor Athar Abbas. Drei Tage zuvor hatte sich eine Talibangruppe zu dem Anschlag bekannt

Unterdessen gab es Verwirrung um angebliche Festnahmen in Pakistan. Innenminister Rehman Malik dementierte entsprechende Meldungen. Angehörige der Sicherheitskräfte, die ungenannt bleiben wollten, sagten dagegen, bei landesweiten Razzien seien acht Verdächtige gefasst worden, darunter Verwandte Shahzads. Ein hochrangiger Polizeioffizier sagte, fünf Menschen seien in Lahore und Rawalpindi festgenommen worden. Zu drei weiteren Festnahmen sei es in der südpakistanischen Hafenstadt Karachi gekommen, aus der Shahzad stammt. Nach unterschiedlichen Aussagen von Sicherheitskräften soll es sich bei einem der Verdächtigen um den Bruder oder einen Freund Shahzads handeln.

Innenminister Malik sagte, in Pakistan sei niemand wegen des Anschlagsversuchs festgenommen worden. Shahzad habe Pakistan in den vergangenen sieben Jahren acht bis zehnmal besucht. Zuletzt sei er im Februar dort gewesen. Es gebe keine Beweise dafür, dass er in Pakistan Terroristen getroffen habe.

Shahzad stammt aus einer wohlhabenden Familie in der Nordwestprovinz des Landes. Nach Angaben eines Verwandten ist der Verdächtige der Sohn eines Generals der Luftwaffe im Ruhestand. Die Familie verließ ihre Residenz in der Provinzhauptstadt Peshawar am Dienstag und zog an einen unbekannten Ort. Shahzads Frau und zwei Kinder sollen nach Behördenangaben in Karachi leben.

Shahzad ist einer von einem Dutzend Ausländern mit US-Pass oder Greencard, die in den vergangenen zwei Jahren wegen Terrorverdachts festgenommen wurden. Unter ihnen ist der Pakistaner Daood Gilani, der in Chicago den Namen David Coleman Headley annahm und mit einem geplanten Anschlag auf eine dänische Zeitung in Verbindung gebracht wird, sowie der Busfahrer Najibullah Zazi aus Denver, der sich im Februar zu einem geplanten Attentat auf die New Yorker U-Bahn bekannte.

Terrorismus / Notfälle / USA
05.05.2010 · 18:12 Uhr
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