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Thriller in der Tiefe: BP will Ölstrom stoppen

Ölpest im Golf von MexikoGroßansicht
Washington (dpa) - Hoffen und Bangen am Golf von Mexiko: Nach immer neuen Rückschlägen will BP im Kampf gegen die Ölpest nun endlich die Oberhand gewinnen.

Mit einem neuen Zylinder über der sprudelnden Quelle im Golf von Mexiko und einem dritten Pump-Schiff wollen Techniker erreichen, dass kein weiteres Öl mehr ins Wasser strömt. Als erster Schritt wurde am Samstag der bisherige «Hut» über dem Leck entfernt, der nicht dicht genug saß, um alles austretende Öl aufzufangen.

Wenn alles weiter perfekt läuft, könnte der Ölstrom bereits Montag oder Dienstag eingedämmt sein, sagte Chuck Wolf von der Einsatzleitung in New Orleans (Louisiana) der Nachrichtenagentur dpa nach dem erfolgreichen Auftakt. «Wir sind vorsichtig optimistisch.»

Aber erst einmal liegt eine komplizierte Arbeit vor dem BP-Team, und sie muss schnell gehen. Denn nach dem Entfernen des alten Zylinders fließt vorübergehend wieder mehr Öl ins Wasser als in letzter Zeit. Und wenn der neue Deckel nicht richtig sitzt, muss der alte wieder her. Es kommt einem Thriller unter Wasser gleich - mit ferngesteuerten Robotern als Akteuren.

Nach Schätzungen strömen derzeit täglich bis zu 8200 Tonnen Öl aus dem Leck am Meeresboden, gut 2000 Tonnen wurden aus dem bisherigen Zylinder abgesaugt. Mit dem neuen «Hut» und dem dritten Schiff soll es möglich werden, sämtliches Öl aufzufangen - das erste Mal, seit die Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 22. April versank.

Admiral Thad Allen von der US-Küstenwache hatte am Freitag den BP-Plan gebilligt. Nach tagelanger rauer See spielt das Wetter wieder mit, und diese Gelegenheit müsse genutzt werden, befand der Ölpest- Sonderbeauftragte von Präsident Barack Obama. Er kalkuliert vorsichtig, dass das Manöver sieben bis zehn Tage dauern könnte.

Bereits am Freitag war damit begonnen worden, das Schiff «Helix Producer» über eine Leitung mit dem «Blowout Preventer» zu verbinden, einem Ventilsystem über der sprudelnden Quelle. Ab Sonntag soll das neue Schiff Öl aufsaugen.

Die großen Hoffnungen ruhen aber auf dem neuen Deckel, der bis Montagmittag an Ort und Stelle sein soll. Aber die Montage ist kompliziert. Der alte Zylinder saß locker über einem aus dem «Blowout Preventer» ragenden Rohr-Stumpen mit zackigen Enden, viel Öl konnte daher ins Wasser entkommen. Dieses Rohrstück muss nun erst einmal von Robotern abgeschraubt werden, bevor die neue Kappe aufgestülpt wird. Sie soll fester sitzen und Ventile haben, die geschlossen werden sollen - sozusagen ein Ventilsystem über dem bisherigen Ventilsystem.

BP peilt an, aus diesem neuen dichteren Container Öl über mehrere Leitungen auf Schiffe an die Oberfläche zu saugen. Am Ende soll die gesamte Aufsaug-Kapazität über 12 000 Tonnen Öl pro Tag betragen - und damit deutlich höher liegen als die Menge Öl, die nach den schlimmsten Annahmen austritt.

Gelingt die Aktion, wäre das aber keine Dauerlösung. Deshalb arbeitet BP mit Hochdruck weiter an einem Nebenzugang zum Hauptbohrloch: Dadurch sollen dann bis Mitte August Schlamm und Zement zum Versiegeln der Quelle «geschossen» werden.

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen

Umwelt / USA
10.07.2010 · 22:56 Uhr
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