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Thriller auf See: Kuppel wird über Ölleck abgesenkt

Die Stahlkuppel wird ins Wasser gelassen.
Washington (dpa) - Im Golf von Mexiko hat ein dramatisches Wettrennen mit der Zeit begonnen. Während erstes Öl an die US-Küste schwemmte, haben Experten eine tonnenschwere Stahl- und Zementkuppel in die Tiefe abgelassen.

Sie soll den anhaltenden Ölaustritt nach dem Untergang der Plattform «Deepwater Horizon» eindämmen. Der Konzern BP zeigte sich optimistisch, dass der mehr als 100 Tonnen schwere Behälter noch am Freitagabend (Ortszeit) sein Ziel auf dem Meeresboden erreicht. Bisher laufe alles prima, sagte BP-Sprecher John Curry am Mittag: «So weit so gut.» Wenn das so bleibe, könne ab Dienstag das in dem Behälter aufgefangene Öl aufgesogen und auf ein Bohrschiff geleitet werden.

Der Container hatte am Vormittag etwa Dreiviertel seiner Reise in 1500 Meter Tiefe zurückgelegt: Dort sollte er dann über das Hauptleck gestülpt werden, aus dem seit mehr als zwei Wochen Öl ins Meer sprudelt. Je näher die Kuppel ihrem Ziel kam, desto komplizierter und damit auch langwieriger wurde die Arbeit: Es galt, den Stahlbehälter genau über die undichte Stelle im Meeresboden zu manövrieren - eine ferngesteuerte Präzisionsarbeit mit Hilfe von Robotern.

Dabei wird es immer dringender, das Hauptleck abzudichten: Am Donnerstag hatte der Ölfilm erstmals Land erreicht. Eine rosafarbene dünne Brühe aus Öl, Wasser und Chemikalien, die BP zum Zersetzen des Ölteppichs einsetzt, erreichte die Chandeleur Islands. Das ist eine kleine unbewohnte Inselkette vor Louisiana mit einem reichen Vogelbestand. Das Öl schwappte zunächst auf Uferteile der Freemason-Insel an der Südspitze der Kette, etwa 45 Kilometer vom Festland entfernt.

Nach Angaben der US-Küstenwache wurde bei Beobachtungsflügen in der Nähe der Chandeleur Islands auch «schwereres Öl» entdeckt. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass es auch an Land gelangt sei. Helfer hatten unmittelbar nach Entdeckung der ersten Ölspuren an den Ufern mit dem Auslegen schwimmender Barrieren begonnen.

Das Hauptaugenmerk galt aber dem Manöver mit der Kuppel auf dem Meer: Derartige Stahlkonstruktionen sind zwar in der Vergangenheit schon einige Male eingesetzt worden, aber noch nie in einer solchen Tiefe.

Die Kuppel ist etwa so hoch wie ein vierstöckiges Haus. Geht alles glatt, wollen Experten sie mit einem Bohrschiff verbinden. Dann würde das in dem Behälter aufgefangene Öl durch ein Rohr aufgesaugt. Bis zu 85 Prozent des Ölflusses könnten laut Experten so gestoppt werden. Gelingt das Manöver, will BP eine weitere kleinere Kuppel über ein zweites Leck in der Tiefseeleitung stülpen. Ein kleiner Riss war bereits von einem Unterwasser-Roboter geschlossen worden.

Seit die von BP geleaste Bohrinsel am 22. April gesunken ist, sprudeln täglich mindestens 700 Tonnen Rohöl ins Meer. Der Rückversicherer Munich Re schätzte am Freitag, dass der Untergang der Ölplattform einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag kosten werde, davon 60 Millionen Euro für den reinen Sachschaden.

Der BP-Konzern sagte wegen der Ölpest die Jahrespressekonferenz seiner deutschen Tochter ab. Auch in Deutschland müssten einige Ressourcen auf die Bewältigung der Situation ausgerichtet werden. «Daher sehen wir uns momentan außerstande, die Geschäftszahlen der deutschen BP im zurückliegenden Geschäftsjahr angemessen zu präsentieren», begründete das Unternehmen am Freitag in einer Mitteilung die Absage der Veranstaltung am 18. Mai in Düsseldorf.

Die Ölpest hat auch Auswirkungen auf die Energiepolitik von US- Präsident Barack Obama. Er hatte kurz vor dem Unglück eine energiepolitische Kehrtwende vollzogen und nach jahrelangen Debatten doch Ölbohrungen vor den Küsten genehmigt. Das Innenministerium legte nun am Donnerstag öffentliche Anhörungen zu geplanten Probebohrungen und seismischen Tests vor der Küste des Bundesstaates Virginia auf Eis. Innenminister Ken Salazar sagte, es werde mindestens bis zum 28. Mai keine neuen Bohr-Genehmigungen geben. Dann soll eine erste Untersuchung der Gründe für den Unfall abgeschlossen sein. Nach Angaben des Ministers fallen auch Pläne des Shell-Konzerns für Bohrungen vor der Küste Alaskas unter dieses Moratorium.

Die Wirtschaftsagentur Bloomberg zitierte BP-Chef Tony Haward mit den Worten, dass die Zukunft der Ölbohrungen in Küstennähe davon abhänge, wie der Konzern die Ölpest im Golf von Mexiko bewältige. «Es hängt alles davon ab, wie erfolgreich wir mit unserer Antwort (auf die Ölpest) sein werden.»

Website der am Einsatz beteiligten US-Behörden und Unternehmen: http://www.deepwaterhorizonresponse.com

Umwelt / USA
07.05.2010 · 20:37 Uhr
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