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Terrorverdacht bröckelt: Weiterer Somalier frei

Telefon-Shop in Rotterdam, der im Zusammenhang mit einer Anti-Terror-Aktion durchsucht wurde.Großansicht

Amsterdam (dpa) - Drei Tage nach einem Großeinsatz gegen mutmaßliche Terroristen aus Somalia in den Niederlanden ist ein weiterer der zwölf Festgenommenen freigelassen worden. Auch der Terrorverdacht gegen diesen Mann habe sich nicht bestätigt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Sie hatte am Sonntag bereits die Haftentlassung von fünf Somaliern angeordnet, weil sich «keine Beweise für eine Verstrickung in terroristische Aktivitäten ergeben» hätten. Über das Schicksal der nun noch sechs in Polizeigewahrsam befindlichen Männer solle an diesem Dienstag entschieden werden, erklärte ein Justizsprecher. Die aufsehenerregenden Festnahmen am Heiligabend in Rotterdam waren nach einer dringenden Warnungen des niederländischen Geheimdienstes AIVD vor einem «möglicherweise kurz bevorstehenden Anschlag» erfolgt. Bei Razzien in Wohnungen, Hotelzimmern und zwei Internetshops waren jedoch weder Waffen noch Sprengstoff gefunden worden. Auch über ein Anschlagziel wurde bislang nichts bekannt.

Allerdings besteht nach Medienberichten gegen einige der Festgenommenen noch der Verdacht, dass sie mit der somalischen Islamisten-Miliz Al-Shabaab in Verbindung gestanden haben. Das hätten Quellen in den Niederlanden, Kenia und Somalia bestätigt, berichtete die Amsterdamer Zeitung «de Volkskrant». Einer der Männer sei verwandt mit dem Al-Shabaab-Kommandeur Mohammed Garmashago. Al-Shabaab unterhält nach Ansicht von Experten Kontakte zum Terrornetzwerk Al-Kaida.

Derweil wurde Kritik am Vorgehen der Behörden laut. «Anders als durch Fehler des AIVD ist nicht erklärbar, dass Verdächtige so schnell wieder freigelassen werden müssen», sagte der Rechtsanwalt Michael Ruperti, der zwei der Somalier vertritt. Er forderte eine unabhängige Untersuchung.

Die niederländisch-somalischen Stiftung Nedsom nannte die Festnahmen besorgniserregend. «Das ist wieder ein Schlag, damit wird das Stigma verstärkt, das unserer Gemeinschaft anhaftet», sagte Nedsom-Vertreter Guled Yusuf Ahmed. Somalier würden schnell «mit Piratentum und Dschihadismus assoziiert».

Angehörige und Freunde beteuerten die Unschuld der festgenommenen Somalier im Alter zwischen 19 und 48 Jahren. Sechs von ihnen haben die niederländische Staatsbürgerschaft, andere haben Aufenthaltsgenehmigungen, darunter zwei in Dänemark ausgestellte. In den Niederlanden leben rund 27 000 Somalier. Der Anteil von Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen unter ihnen ist überdurchschnittlich groß.

Die radikalislamische Miliz Al-Shabaab will in Somalia einen islamischen Gottesstaat errichten. Die Gruppe kontrolliert große Teile des Krisenstaats, der seit 1991 keine stabile Regierung mehr hat. Auch ausländische Kämpfer haben sich den Islamisten angeschlossen. Hassprediger hatten in den letzten Monaten im Internet zu Vergeltungsaktionen für anti-islamische Ausfälle des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders aufgerufen.

Terrorismus / Niederlande
27.12.2010 · 18:14 Uhr
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