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Terrorsendungen verbreiten Angst in Europa - Paket für Merkel

Einer der zwei Verdächtigen, die die griechische Polizei im Zusammenhang mit den Briefbomben an Botschaften festgenommen hat.Großansicht

Berlin/Athen/Washington (dpa) - Baugleiche Postsendungen mit Sprengsätzen an ausländische Botschaften in Athen und das Kanzleramt in Berlin haben Europas Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Im Kanzleramt wurde ein an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) adressiertes Paket gefunden.

Die explosive Post kam nach Angaben der Bundesregierung aus Griechenland. Als Absender der in Athen verschickten Pakete werden radikale Autonome vermutet.

Das an Merkel adressierte Paket sei eine sprengfähige Vorrichtung gleicher Bauart wie bei einer Sendung an die Schweizer Botschaft in Athen, teilte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) mit. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: «Die Untersuchung zeigt, dass der Inhalt des Päckchens zumindest geeignet war, Menschen zu verletzen.»

Merkel war am Dienstag zum Zeitpunkt des Alarms in Belgien. Das Paket sei vor zwei Tagen per Luftpost von Griechenland nach Deutschland gesendet worden. De Maizière wies auf die Festnahme zweier Verdächtiger in Griechenland hin. Für einen Zusammenhang mit dem Jemen spreche nichts.

In Griechenland gingen den zweiten Tag in Folge Pakete mit Brandsätzen an mehrere Botschaften in Athen. Die Sendungen enthielten eine Art Schießpulver, das sich beim Öffnen entzündet. Nach Polizeiangaben war auch ein Paket an die deutsche Vertretung adressiert. Die deutschen Diplomaten nahmen aus Sicherheitsgründen aber keine Pakete von Kurierdiensten mehr an. Die griechische Polizei veröffentlichte am Abend Fahndungsfotos von fünf Männern im Alter zwischen 21 und 30 Jahren.

Eines der gefährlichen Päckchen wurde gegen Mittag am Empfang der Schweizer Vertretung in Athen abgegeben. Beim Entfernen der Verpackung habe sich der Inhalt in einer Stichflamme entzündet, teilte das Schweizerische Außenministerium mit. Verletzt wurde niemand. Am Montag waren zwei verdächtige Männer festgenommen worden. Bei ihnen fand die Polizei auch eine Briefbombe, die an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert war.

Weltweit für Aufsehen hatten zuletzt die Bombenfunde in England und Dubai gesorgt. Ende der Vorwoche hatten Sicherheitskräfte auf einem Flughafen bei Nottingham sowie in Dubai per Luftpost verschickte Paketbomben aus dem Jemen entdeckt und entschärft. Die Regierung des Jemen startete am Dienstag eine großangelegte Militäroperation gegen Top-Terroristen.

Im Mittelpunkt der Suche stehen der Saudi Ibrahim Hassan al-Asiri, der die Paketbomben hergestellt haben soll, und der von den USA gesuchte Hassprediger Anwar al-Awlaki. Er gilt als Vordenker der Terrorgruppe Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel.

Die von westlichen Ländern gegen den Jemen verhängten Flugverbote kritisierte ein Regierungsvertreter in Sanaa als «hastige und übertriebene Reaktion». Dies schade auch Jemens Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus. Die Deutsche Flugsicherung ist vom Bundesverkehrsministerium angewiesen worden, direkte und indirekte Flüge aus dem Jemen bis auf weiteres nicht mehr in den deutschen Luftraum einzulassen. Vorher war lediglich der Transport von Luftfracht aus dem Jemen untersagt worden.

Hinter dem griechischen Terror steht weniger Glaubenskrieg als vielmehr Klassenkampf. Seit Monaten verbreiten radikale griechische Autonome mit Mord und Bombenterror Angst und Schrecken. Als Auslöser der Gewalt gilt der Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel im Dezember 2008. Seitdem kommt Athen nicht mehr zur Ruhe. So wurde im Juni 2009 ein Polizist ermordet. Außerdem gab es mehrere Bombenanschläge auf Polizeistationen, einen Polizeibus und Banken sowie staatliche Einrichtungen. Ende 2009 hatte eine Bombe schwere Schäden am Gebäude einer Versicherung angerichtet.

Zu den Taten bekannten sich die linken Gruppen «Volksaktion», «Revolutionärer Kampf», «Sekte der Revolutionäre» und «Konspiration der Zellen des Feuers». In ihren Bekennerschreiben verkündeten sie, den Sturz des Systems durch Terror und Chaos erzwingen zu wollen. Die Autonomen kritisieren die Finanzpolitik der hoch verschuldeten Regierung Griechenlands sowie der Europäischen Union.

Terrorismus / Griechenland
02.11.2010 · 20:31 Uhr
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