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Terrorhelfer zu acht Jahren Haft verurteilt

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Koblenz (dpa) - Ein deutscher Terrorhelfer der islamistischen El Kaida ist am Montag vom Koblenzer Oberlandesgericht zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Der 47 Jahre alte Edelsteinhändler aus dem pfälzischen Germersheim soll das Netzwerk von Osama bin Laden mit Spendengeld und Kampfmaterial versorgt haben. Die Richter verhängten die Strafe gegen den Deutschen mit pakistanischen Wurzeln wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie Verstößen gegen das Außenwirtschaftsgesetz und ein EU-Embargo.

Aleem N. hat nach Überzeugung des Gerichts zudem potenzielle Kämpfer angeworben und ihre Reise in Terrorcamps in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet organisiert. Der Verurteilte habe Kontakt zu hochrangigen El Kaida-Mitgliedern gehabt und von 2004 bis 2007 mindestens 80 000 Euro für die Terrororganisation nach Pakistan gebracht, sagte die Vorsitzende Richterin Angelika Blettner. Bei mindestens sieben Reisen soll er unter anderem Zielfernrohre, Nachtsichtgeräte, Wanzendetektoren und Funkgeräte in seine ehemalige Heimat transportiert haben, die er gemeinsam mit Helfern in deutschen Geschäften oder über das Internet gekauft hatte.

Für die Ermittlungen waren unter anderem Zeugenaussagen des Stiefsohns des 47-Jährigen von großer Bedeutung. Der Bundeswehrsoldat ist inzwischen in einem Zeugenschutzprogramm. Yannick N. sei absolut glaubwürdig, betonte Blettner. «Das alles zu erfinden müsste es schon sehr großer Fantasie bedürfen.» Der Zeuge hatte unter anderem geschildert, wie er für seinen Stiefvater 36 000 Euro und 4000 Dollar in Schokoladen-Tafeln versteckt nach Pakistan schmuggelte.

Bereits 1991 sei der Verurteilte in einem Terrorcamp der Mudschaheddin ausgebildet worden und habe daraufhin im Bosnien-Krieg gekämpft, sagte die Richterin. Aleem N. sei auch 2006 für El Kaida im Afghanistankrieg und an Angriffen auf US-Truppen beteiligt gewesen. Der heute 47-Jährige war Mitte 2007 in Pakistan unter Terrorverdacht gefasst und zwei Monate lang vom pakistanischen Geheimdienst festgehalten worden. Kurz zuvor soll er in einem Ausbildungslager der El Kaida im Umgang mit Sprengstoff geschult worden sein. Aus einem Unfall in dieser Zeit stammt laut Gericht eine schwere Brandwunde am Unterarm des Angeklagten.

Aleem N. war Mitte Februar 2008 in Deutschland direkt nach seiner Rückkehr aus Pakistan verhaftet worden und sitzt seitdem im Gefängnis. Der Angeklagte hatte zu den Vorwürfen während der mehr als sieben Monate dauernden Hauptverhandlung weitgehend geschwiegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Prozesse / Terrorismus
13.07.2009 · 16:58 Uhr
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