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Terrorfurcht reißt Amerikaner aus Weihnachtsruhe

Die Obamas beim Urlaub auf Hawaii: Der versuchte Anschlag auf eine US-Passagiermaschine hat die Amerikaner aus der Weihnachtsruhe gerissen.Großansicht
Washington (dpa) - Der Urlaub von US-Präsident Barack Obama war gerade einen Tag alt, da holte ihn brutal die Realität des Regierens wieder ein. Statt die sonnigen Strände Hawaiis zu genießen, ließ sich Obama am Samstag zum zweiten Mal mit engsten Sicherheitsberatern verbinden.

Thema der abhörsicheren Konferenzschaltung: Der vereitelte Anschlag eines jungen Nigerianers auf einen US-Passagierjet - und wie es trotz alle Vorkehrungen so weit kommen konnte.

Angesichts von Wirtschaftskrise und Regierungswechsel hatte das Thema Terrorismus die Amerikaner zuletzt längst nicht mehr so beschäftigt wie noch vor ein paar Jahren. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit kriecht nun die alte Terrorfurcht wieder hervor - zumal sich die Hinweise häufen, dass abermals die Organisation El Kaida ihr hässliches Haupt reckt und hinter den Plänen stecken könnte. Denn laut US-Medien soll der verhinderte Attentäter Umar Faruk Abdulmutallab nicht nur im Jemen für die Selbstmordmission trainiert worden sein; aus dem arabischen Land kam angeblich auch die Bombe.

Nur ein defekter Zünder verhinderte laut Ermittlern ein Inferno: Die Maschine des Northwest-Airlines-Flug 253 hatte im Anflug auf Detorit gerade das Fahrgestell ausgefahren, da schreckt ein lauter Knall aus Richtung Reihe 19 die Passagiere auf. Erst dachte sie, ein Reifen sei geplatzt, sagte die Niederländerin Stephanie van Herk. Dann sah sie aber eine Stichflamme im Schoß eines Mannes eine Reihe hinter ihr. «Alle habe angefangen zu schreien», sagte sie der US-Zeitung «Wall Street Journal». «Es gab Panik.»

Schlimme Erinnerungen an den als «Schuhbomber» bekannten Briten Richard Reid werden wach, angesichts der Umstände des versuchten Anschlags vom Freitag. Der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab trug seinen Sprengsatz am Bein festgeschnallt, Reid hatte seinen im Turnschuh versteckt, als er 2001 - ebenfalls zu Weihnachten - einen Flug von Paris nach Miami in einem Inferno enden lassen wollte. Beide verwendeten sie den hochexplosiven Plastiksprengstoff PETN.

Vor drei Jahren hatten britische Behörden einen teuflischen Terrorplan aufgedeckt, bei dem die Attentäter explosive Chemikalien mit Flüssigkeiten an Bord von Flugzeugen gemischt werden wollten. Ihr Ziel - Flüge in die USA. Bis zu 2000 Menschen hätten sterben können, schätzten Ermittler. Wie es scheint, hatte Abdulmutallab ähnliches vor, als er für 20 Minuten auf der Bordtoilette des Delta-Airbus verschwand, vermutlich um die Bombe scharf zu machen.

Seit Richard Reid müssen Passagiere bei Kontrollen an US-Airports und vor Flügen in die USA ihre Schuhe ausziehen. Später wurde auch die Menge der Flüssigkeiten begrenzt, die Fluggäste mit an Bord nehmen können. Und dennoch schlüpfte Abdulmutallab durchs Netz. Die niederländischen Anti-Terror-Behörden geben sich ratlos.

Der Vorfall ist Wasser auf die Mühlen von US-Experten, die seit Jahren vor veralteten Kontrollgeräten warnen. «Wir wissen seit langem, dass das möglich ist», sagte Anti-Terror-Fachmann Richard Clarke dem US-Sender ABC. «Wir müssen wirklich unsere Scanner-Geräte gegen modernere Apparate austauschen.» El Kaida wisse um diese Schwäche des Sicherheitssystems auf US-Flughäfen sehr wohl, meint Clark, sie sei die «Achilles-Sehne» aller Schutzmaßnahmen.

Unvermeidliche Konsequenz des Beinahe-Infernos: US-Reisende müssen sich nun wieder stärker in Geduld üben angesichts von Präsident Obamas umgehend erlassener Order, die Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr zu verschärfen. Und das, wo es gerade wieder entspannter auf amerikanischen Airports zuzugehen schien. Erst im Oktober hatte die US-Behörde für Verkehrssicherheit (TSA) angekündigt, bald wieder größere Mengen Flüssigkeiten im Handgepäck erlauben zu wollen.

Terrorexperten überrascht es derweil nicht, dass es sich bei dem verhinderten Attentäter um einen Nigerianer handelt. «Wir sind schon seit einer Weile besorgt über El Kaida oder andere terroristische Organisationen in Nigeria», sagte der US-Abgeordnete Peter King, Mitglied des Ausschusses für Heimatschutz im Repräsentantenhaus. Der «New York Times» zufolge gibt es zudem seit Jahren Bedenken über die Qualität der Sicherheitskontrollen in dem westafrikanischen Land. Erst vorigen Monat jedoch befand die TSA, die Standards in Lagos entsprächen durchaus internationalen Normen.

Die Anti-Terror-Behörden dürften zudem ihren Blick auch fester auf den Jemen richten - und dort auf den radikalen Prediger Anwar al- Awlaki, der sich immer stärker zu einer Schlüsselfigur herauszukristallisieren scheint. Nicht nur soll Abdulmutallab über ihn Kontakt zu El Kaida in dem arabischen Land bekommen haben. Awlaki soll auch mit dem Attentäter von Fort Hood in Verbindung gestanden haben, der Anfang November auf der Militärbasis in Texas 13 Menschen erschoss und Dutzende weiter verletzte. Am Donnerstag soll sich der fanatische Prediger in einem El-Kaida-Unterschlupf im Jemen aufgehalten haben, der Ziel eines Luftangriffs wurde. Mit von der Partie: hohe regionale Führer des Terrornetzes von Osama bin Laden. 30 Menschen starben, doch alle wichtigen Führer sollen überlebt haben.

Luftfahrt / Kriminalität / USA
27.12.2009 · 21:58 Uhr
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