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Terrorexperte: Breivik sieht einen Europa-internen Krieg

Oslo (dpa) - Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik beschreibt in seinem Manifest nach Ansicht des Terrorexperten Helge Lurås einen Europa-internen Krieg.

Es werde deutlich, dass Breivik an eine geheime europäische Verschwörung von Frankreich und anderen großen Ländern glaube, die eine Allianz zwischen Europa und dem Islam schaffen wollten. «Als Alliierten im Kampf gegen den Islam sieht er dagegen Israel», sagte Lurås im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Der 40-jährige Osloer ist Terrorismusexperte am Norwegischen Institut für Auslandspolitik.

Breivik zeige sich in seinem mehr als 1500 Seiten umfassenden Manuskript ganz klar als «ethnischer Nationalist». «Er ist aber ein Gegner des Nationalsozialismus», sagte Lurås. Sein Dokument beginne mit einer Beschreibung des ideologischen Fundaments seiner Taten. Er beschreibe einen Zivilisationskonflikt zwischen ethnischen Europäern und islamischen Einwanderern. Dabei greife er die Europäische Union deutlich an.

Als Vorbilder sehe Breivik dagegen Länder wie Südkorea, Japan und Taiwan, erklärte Lurås. Sie seien Beispiele für Gesellschaften mit westlicher Prägung, die sehr bewusst monokulturell geblieben seien. Außerdem gehe der Attentäter ganz in dem auf, «was am Ende des zweiten Weltkriegs der Kampf der Konservativen gegen den Kommunismus war». Er glaube, dass der Kommunismus in der multikulturellen Gesellschaft weiterlebe.

Im zweiten Teil seines Manifests schreibt der Attentäter laut Lurås, was er von den Europäern im Kampf um seine politischen Zielsetzungen erwarte. Er fordert, dass konservative Nationalisten in einem internen Krieg in Europa die muslimischen Einwanderer vertreiben.

Das Manuskript, das Breivik rund eine Stunde vor seinen grausamen Taten per E-Mail an Hunderte Bekannte schickte, sei «relativ einzigartig» und beispiellos. Der Attentäter sei aber von einer Reihe anderer Dokumente und Personen inspiriert worden. Er schreibe selbst, dass nur rund die Hälfte der Gedanken wirklich von ihm stammten. Ideologisch gesehen habe er konservative Werte, werde aber von antimarxistischen, anti-sozialistischen und israelischen Autoren beeinflusst.

Breivik wird in der Öffentlichkeit als konservativer Christ dargestellt - das sei dem Manuskript zufolge aber nicht korrekt, meinte Lurås. «Er sagt selbst, dass er nicht gläubig ist, nicht an den christlichen Gott glaubt.» Das kulturelle Element des Christentums aber halte der Attentäter für einen fundamentalen Teil der europäischen Identität. Breivik selbst sehe sich nicht als Terroristen, sondern als politisch motivierten Kämpfer, der seinen Hauptfeind angegriffen habe, ohne eine Straftat zu begehen.

Terrorismus / Kriminalität / Norwegen
25.07.2011 · 22:29 Uhr
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