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Terroranschlag auf britische Diplomaten im Jemen

Soldaten im JemenGroßansicht

Sanaa/Wien (dpa) - Der Jemen ist ein gefährliches Pflaster für westliche Ausländer. Am Mittwoch wurde in der Hauptstadt ein Franzose erschossen. Zwei Briten wurden verletzt. Die Sorge, dass die jemenitische Regierung den Kampf gegen die Al-Kaida-Terroristen verliert, wächst.

Terroristen haben im Jemen ein Fahrzeug der britischen Botschaft mit einer Panzerfaust attackiert. Ein Diplomat wurde dabei in der Hauptstadt Sanaa am Mittwoch leicht verletzt, wie das das Außenministerium in London berichtete. In der Jemen-Zentrale des österreichischen Energiekonzerns OMV in Sanaa wurde etwa zur gleichen Zeit ein Franzose von einem jemenitischen Wachmann erschossen. Die Nachrichten-Website «News Yemen» meldete unter Berufung auf Augenzeugen, der Täter habe, als er das Feuer auf den Franzosen und einen weiteren Ausländer eröffnet habe, «Allahu Akbar» (Gott ist groß) gerufen. Kollegen des Schützen, der festgenommen wurde, schlossen einen politischen Hintergrund der Tat aus.

Nach Berichten von Augenzeugen feuerten am Morgen zwei als Straßenkehrer verkleidete Terroristen auf einer Straße in Sanaa mit einer Panzerfaust auf das Fahrzeug der britischen Botschaft. Die Waffe hatten sie in einem Müllsack versteckt. Augenzeugen und Krankenhausärzte sagten, drei Passanten seien verletzt worden: Ein Mann, der von Granatsplittern getroffen wurde, sowie eine Mutter und ihr Kind, die von dem ins Schlingern geratenen Auto erfasst wurden. Der britische Außenminister William Hague sagte: «Dieser schändliche Angriff auf britische Diplomaten wird Großbritannien nur bestärken in seiner Absicht, der jemenitischen Regierung dabei zu helfen, die Herausforderungen, die sich in dem Land stellen, zu meistern.»

Der Jemen gilt als Hochburg des Al-Kaida-Terrornetzwerks von Osama bin Laden. Westliche Geheimdienste bezweifeln, dass die jemenitische Führung alleine in der Lage ist, die Terroristen erfolgreich zu bekämpfen. Im vergangenen April hatte sich ein Selbstmordattentäter neben dem Auto des britischen Botschafters in Sanaa in die Luft gesprengt. Der Botschafter blieb unverletzt. Zu dem Anschlag hatte sich später Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel bekannt, ein Bündnis islamistischer Terroristen aus dem Jemen und Saudi-Arabien.

Mysteriös blieb das Motiv des Schützen, der im Büro der OMV in Sanaa um sich gefeuert hatte. Aus der OMV-Firmenzentrale in Wien hieß es, der Franzose, der für ein Subunternehmen arbeitete, sei nach der Attacke in ein Krankenhaus gebracht worden und dort gestorben. Ein von dem Wachmann ebenfalls angeschossener Brite werde in der Klinik noch behandelt. Kollegen des Wachmannes erklärten, der Schütze habe mit dem Franzosen zuvor über Geld gestritten. Ein Polizist hatte anfangs erklärt, der Wachmann habe das Feuer eröffnet, nachdem neben dem OMV-Büro ein Sprengsatz explodiert sei. In Sanaa hieß es, der private Sicherheitsdienst, für den der Schütze arbeitete, gehöre einem Sohn des jemenitischen Geheimdienstchefs.

OMV-Sprecherin Michaela Huber sagte in Wien, das Unternehmen sehe keinen Zusammenhang zwischen der Attacke in dem Büro und dem Angriff in der Nähe eines Ölfeldes des Konzerns im Jemen im vergangenen Juli. Damals hatten Soldaten einen Angriff mutmaßlicher Al-Kaida-Terroristen in der Umgebung der Ölfelder von Al-Ukla in der Provinz Schabwa abgewehrt. Sechs Soldaten und drei Polizisten starben.

Terrorismus / Jemen
06.10.2010 · 19:42 Uhr
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