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Taxifahrgast Gauck - Bei Anruf Präsident

Gauck soll neuer Bundespräsident werdenGroßansicht

Berlin (dpa) - Als der Anruf kommt, ist das Staatsoberhaupt in spe gerade erst mit der Abendmaschine aus Wien in Berlin gelandet. «Ich komme aus dem Flieger und war im Taxi, als die Frau Bundeskanzlerin mich erreicht hat», erzählt Joachim Gauck.

Da sitzt der frühere DDR- Bürgerrechtler schon als Kandidat einer ganz großen Präsidentenmacher- Koalition auf dem Podium in der Regierungszentrale. Der Vorlauf seiner Präsentation am Sonntagabend war ziemlich knapp.

Für 20.00 Uhr hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Spitzen von SPD und Grünen ins Kanzleramt geladen. Erst unmittelbar zuvor hatten sich Union und FDP dort auf massiven Druck der Liberalen überhaupt auf Gauck verständigt. Der Beginn des gemeinsamen Treffens mit Roten und Grünen wird noch auf 20.30 Uhr verschoben. Da ist SPD- Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier als erster der Oppositions- Riege schon eingetroffen, seine Limousine rauscht um 20.05 Uhr durch das Tor. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kommt im Taxi, als letzter trudelt um kurz nach 20.30 Uhr SPD-Chef Sigmar Gabriel ein.

Die Kanzlerin eröffnet die Runde. Großer Diskussionsbedarf besteht nicht mehr. «Sehr schnell» habe Merkel mitgeteilt, dass Gauck der Kandidat der CDU sei, CSU-Chef Horst Seehofer habe beigepflichtet, erzählt die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth am Tag danach. Merkel habe «dann zurecht vermutet, dass es vonseiten der Grünen und vonseiten der Sozialdemokraten keinen Widerspruch dazu geben wird - und dann war es das eigentlich.»

Fehlt nur noch, den Gekürten zu kontaktieren. Merkel geht nach Teilnehmerangaben hinaus, um zu telefonieren - mit Gauck im Taxi. «Sie hat sich bei Jürgen Trittin versichert, dass sie die richtige Handynummer hat», berichtet Roth über den Grünen-Fraktionschef, der Gauck schon 2010 als Präsidentenkandidat ins Spiel gebracht hat.

Gauck lässt sich direkt ins Kanzleramt chauffieren, stößt zu den Partei- und Fraktionschefs, für die Bouletten und Kartoffelsalat aufgetischt sind. Der 72-Jährige - nach eigenem Bekunden «noch nicht mal gewaschen» - kommt herein, setzt sich dazu. Er habe zu Tränen ergriffen gewirkt, schildert es später einer der Anwesenden. Und Gauck habe erkennen lassen, er könne erst einmal nicht essen.

Gegen 21.15 Uhr geht es dann auch schon herüber in den grell erleuchteten Saal, in dem Merkel und die Parteichefs den Kandidaten für die Nachfolge des abgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff präsentieren. In aller Eile haben TV-Teams ihre Kabel ausgerollt und die Kameras auf Position gestellt.

Zuerst markieren Papierschilder, die über die Tischkante gefaltet sind, jeden Platz auf dem Podium. «PV Gabriel» wie «Parteivorsitzender Gabriel» steht darauf, «PVe Roth» für die Grünen-Parteivorsitzende oder «MP Seehofer» für den bayerischen Ministerpräsidenten, der als Bundesratspräsident ja auch kommissarisches Staatsoberhaupt ist.

Direkt neben dem Sessel der Kanzlerin ist noch ein Platz, für den es kein bedrucktes Papierschild gab: Es ist der von Gauck.

Bundespräsident
20.02.2012 · 20:47 Uhr
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