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Tausende Demonstranten belagern die Wall Street

Viele hatten die «Occupy Wall Street»-Bewegung nach der Räumung ihrer Zeltstadt schon abgeschrieben. Doch tausende Demonstranten beweisen das Gegenteil. Foto: Justine LaneGroßansicht

New York (dpa) - Die Wall Street ist im Belagerungszustand. Am Donnerstag strömten Tausende Demonstranten in das Herz des New Yorker Finanzbezirks, um gegen die Macht der Banken und soziale Ungerechtigkeiten zu demonstrieren.

Ein starkes Polizeiaufgebot riegelte die Gegend ab und hinderte die Aktivisten der «Occupy Wall Street»-Bewegung daran, bis direkt zur New Yorker Börse vorzustoßen. Viele Börsianer hatten große Probleme, durch die Absperrungen zu kommen.

«Wall Street. Our Street!» skandierten die Demonstranten. «Wall Street. Unsere Straße!» Polizisten versuchten, die umliegenden Straßen für den Verkehr freizuhalten und die Demonstranten auf die Bürgersteige zurückzudrängen. «Wall-Street-Banker ruinieren unser Land», sagte ein junger Mann. Die Organisatoren hatten über soziale Netzwerke wie Facebook dazu aufgerufen, die Finanzmeile zu blockieren. Es soll eine der größten Protestaktionen überhaupt werden.

Damit bäumt sich die Bewegung genau zwei Monate nach ihrem Beginn noch einmal auf und zwei Tage, nachdem die Polizei die Demonstranten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem New Yorker Zuccotti Park vertrieben hatte. Im Laufe des Morgens strömten immer mehr Sympathisanten in Richtung Finanzbezirk, es bildeten sich nach Augenzeugenberichten mehrere Protestzüge. Vereinzelt gab es Festnahmen. Ansonsten blieb es zunächst weitgehend friedlich.

«Man kommt kaum durch», beschwerte sich eine Mitarbeiterin an der Börse. Sie schimpfte dabei weniger auf die Aktivisten, als vielmehr auf die Polizisten, die sie selbst nach Vorzeigen ihres Hausausweises zunächst nicht durchgelassen hätten. Sie habe mehrere Anläufe gebraucht, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, dem großen Handelssaal der New York Stock Exchange. Letztlich sei der Handel aber wie gewohnt gestartet. «Die Eröffnungsglocke hat geläutet.»

«Occupy Wall Street» («Besetzt die Wall Street») kämpft seit Mitte September gegen die Macht der Banken und für mehr soziale Gerechtigkeit. Die Bewegung hat in New York ihren Ausgangspunkt genommen und sich rund um die Welt ausgebreitet. Auch in Deutschland gibt es Proteste. Menschen harren in Zelten etwa vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt aus.

Das Ursprungs-Zeltlager im New Yorker Zuccotti Park hatte Bürgermeister Michael Bloomberg dagegen in der Nacht zu Dienstag räumen lassen. Das hatte die Frage aufgeworfen, wie es nun mit «Occupy Wall Street» weitergeht. Der Winter steht vor der Tür, und einzelne Mitglieder der Bewegung denken bereits darüber nach, die Proteste zumindest vorübergehend zurückzufahren.

«Die wissen doch gar nicht mehr, was sie wollen», sagte ein New Yorker Händler. «Wir machen doch nur unsere Arbeit hier.» In den Augen der Demonstranten steht das bekannte Börsengebäude an der Wall aber als Symbol für die verhasste Finanzwelt, für die Ausbeutung der einfachen Menschen durch eine kleine Elite.

Die Demonstranten planten weitere Aktionen, unter anderem ein Marsch mit Lichtern über die Brooklyn Bridge, um das zweimonatige Jubiläum von «Occupy Wall Street» zu feiern.

Finanzen / Proteste / USA
17.11.2011 · 17:22 Uhr
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