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Tausende blockieren Castor-Transport

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Dannenberg/Berlin (dpa) - Mit Blockaden und anderen Aktionen haben Tausende Kernkraftgegner im niedersächsischen Wendland am Montag den Transport von Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins Zwischenlager Gorleben weiter behindert.

Nach rund zwölf Stunden wurde am Abend der elfte und letzte Castorbehälter auf dem Verladebahnhof in Dannenberg vom Zug auf einen Tieflader gehoben.

Die Lastwagen sollten die Castor-Behälter mit ihrem hoch radioaktiven Inhalt in der Nacht zum Dienstag über die letzte und schwierigste Etappe in das rund 20 Kilometer entfernte Zwischenlager bringen. Wann der Atommüll Gorleben erreicht, war zunächst noch ungewiss.

Ursprünglich sollte der zwölfte Castor-Transport am Montagmorgen das Zwischenlager erreicht haben. 20 000 Polizeibeamte waren im Einsatz, um den Transport sicher ans Ziel zu bringen. Schon vor der Ankunft in Gorleben war klar, dass der Transport diesmal länger dauern würde als alle elf seit 1995.

Auch deswegen ging der politische Streit über die Atompolitik am Montag unvermindert weiter. «Wer längere Laufzeiten für Atomkraftwerke beschließt, darf sich nicht über längere Laufzeiten für Castor-Transporte wundern», sagte Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg.

Vor dem Verladebahnhof in Dannenberg hatten sich am Abend fünf Greenpeace-Mitglieder in einem mit Stahlröhren auf der Straße montierten Container verschanzt. Der Container war nach Angaben der Organisatoren auf einem Getränkelastwagen auf eine wichtige Zufahrtsstraße für den Castor-Transport gebracht worden. Die Polizei hatte die Greenpeace-Mitglieder zunächst nicht aus dem Container holen können.

Vor dem hell erleuchteten Zwischenlager in Gorleben blockierten nach übereinstimmenden Aussagen von Polizei und Veranstaltern am Abend 3000 Menschen die Zufahrt. Die Polizei hatte sie aufgefordert, die Straße zu räumen.

Noch nie harrten so viele Castor-Gegner friedlich vor dem Zwischenlager aus. Der Gorlebenlager-Gegner und Besitzer großer Flächen rund um das Zwischenlager, Andreas Graf Bernstorff, sagte am Montag im Deutschland Radio Kultur, der Widerstand gegen den Castor- Transport habe an Kraft gewonnen und ihn zutiefst beeindruckt. So etwas habe er in den letzten 30 Jahren nicht erlebt.

Mit einer Schienenblockade 30 Kilometer vor dem Verladebahnhof in Dannenberg hatten Demonstranten in der Nacht zum Montag den wohl längsten Stopp eines Castor-Transports erreicht. An anderen Orten versperrten Bauern mit Treckern die Zufahrtstraßen nach Gorleben. Auch 1200 Schafe und 500 Ziegen wurden auf die Strecke des zwölften Castor-Transports getrieben. In Berlin heizte der heftige Widerstand gegen den Atommülltransport die politische Debatte an.

Mit dem Beschluss zur Verlängerung der Atomlaufzeiten habe die Bundesregierung einen bereits befriedeten gesellschaftlichen Großkonflikt neu entfacht, warfen SPD, Grüne und Linke der schwarz- gelben Koalition am Montag vor. Der Bundestag wird nun am Mittwoch über die Demonstrationen gegen die Atommülltransporte ins Wendland diskutieren.

Bei den Auseinandersetzungen entlang der Bahnstrecke gab es nach Angaben der Kampagne «Castor Schottern» fast 1000 Verletzte auf Seiten der Demonstranten, darunter mindestens eine Schwerverletzte. Die Polizei machte bislang keine eigenen Angaben zur Zahl der Verletzten. Am Sonntag war es am Rande der überwiegend friedlichen Demonstrationen zu Ausschreitungen gekommen.

Atom / Transporte / Gorleben
08.11.2010 · 22:34 Uhr
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