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Taliban töten Afghanistans Vize-Geheimdienstchef

Bewaffnete Taliban an der Grenze zu Pakistan (Archivbild). Bei einem Selbstmordanschlag sind der Vizechef des afghanischen Geheimdienstes NDS und mindestens 21 weitere Menschen getötet worden.Großansicht
Kabul (dpa) - Knapp zwei Wochen nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan sind der Vizechef des afghanischen Geheimdienstes NDS und mindestens 23 weitere Menschen bei einem Selbstmordanschlag getötet worden.

NDS-Vizechef Abdullah Laghmani wollte am Mittwoch in der ostafghanischen Provinz Laghman eine Moschee in der Provinzhauptstadt Metarlam einweihen, als sich ein Attentäter der Taliban in der Menge in die Luft sprengte. Positive Nachrichten gab es beim Kampf gegen den Drogenanbau in Afghanistan: Er nimmt 2009 im zweiten Jahr in Folge ab, bleibt jedoch auf alarmierendem Niveau. Bei der Auszählung der Stimmen der Präsidentschaftswahl baute Amtsinhaber Hamid Karsai seinen Vorsprung unterdessen weiter aus.

Der Präsidentenpalast in Kabul teilte mit, bei dem Anschlag in Laghman seien neben dem NDS-Vizechef der Vorsitzende des Provinzrates, der Chef des Gouverneursbüros und der Vorsitzende des Gelehrtenrates ums Leben gekommen. Nach Angaben der Behörden starben außerdem zahlreiche Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Es ist der bislang schwerste Schlag der Aufständischen gegen den afghanischen Geheimdienst, der nach eigenen Angaben etliche Anschläge in der Vergangenheit verhindert hat. Karsai verurteilte den Anschlag.

Im nordafghanischen Einsatzgebiet der Bundeswehr hängten die Taliban am Mittwoch einen Geheimdienstoffizier. Der Polizeichef der Provinz Baghlan, Kabir Andarabi, sagte, die Aufständischen hätten den Mann an einem Baum am Rande von Baghlan-Stadt aufgehängt. Der Offizier war nach Angaben aus Sicherheitskreisen im vergangenen Monat entführt worden.

Das UN-Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) teilte am Mittwoch in Kabul mit, immer noch komme 90 Prozent des weltweiten Rohopiums, aus dem Heroin gewonnen wird, aus Afghanistan. Zugleich trügen Erlöse aus dem Anbau und Handel von Drogen maßgeblich zur Finanzierung des Aufstands der Taliban besonders im Süden des Landes bei. Die Anbaufläche sei 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent gesunken, hieß es in dem UNODC-Bericht. Die Opiumproduktion habe allerdings nur um zehn Prozent auf 6900 Tonnen abgenommen, da Bauern die Effizienz steigern und mehr Opium pro Schlafmohn-Pflanze gewinnen konnten.

UNODC-Chef Antonio Maria Costa sagte angesichts des Rückgangs der Opiumproduktion: «In einer Zeit des Pessimismus über die Lage in Afghanistan sind diese Ergebnisse gute Nachrichten.» Sie bewiesen, dass Fortschritt möglich sei. Der Opiumpreis ist laut UNODC auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen. Das Einkommen afghanischer Schlafmohnbauern sei von 730 Millionen Dollar 2008 auf nunmehr 438 Millionen Dollar gesunken. Neben dem fallenden Opium- und dem gleichzeitig gestiegenen Getreidepreis führten die UN den Rückgang der Produktion auch auf «robustere Anti-Drogen-Operationen» der afghanischen und ausländischen Truppen zurück. Außerdem hätten die Anstrengungen einiger afghanischer Gouverneure dazu beigetragen, dass der Anbau von Schlafmohn zurückgegangen sei.

Bei der Präsidentschaftswahl baute Karsai seinen Vorsprung zwar weiter aus, er kommt nach den bisher ausgezählten Stimmen aus 60 Prozent der Wahllokale aber immer noch nicht auf eine absolute Mehrheit. Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) teilte am Mittwoch mit, Karsai habe bislang 47,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Sein wichtigster Herausforderer Abdullah Abdullah folge mit 32,6 Prozent. Sollte Karsai auch bei der weiteren Auszählung der Stimmen keine absolute Mehrheit bekommen, wäre ein zweiter Wahlgang im Oktober notwendig. Die Wahl ist zunehmend umstritten, weil immer mehr Manipulationsvorwürfe gegen das Karsai-Lager laut werden.

Die nächsten Teilergebnisse kündigte die Wahlkommission für Samstag an. Ein vorläufiges Endergebniss solle nach derzeitigem Stand spätestens Montag vorliegen.

Konflikte / Afghanistan / Pakistan
02.09.2009 · 15:59 Uhr
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