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Taliban-Terror im Herzen von Kabul

Anschlag in KabulGroßansicht
Kabul (dpa) - Fünf Tage vor der Präsidentenwahl in Afghanistan hat ein Selbstmordattentäter im massiv gesicherten Zentrum der Hauptstadt Kabul mindestens sieben afghanische Zivilisten mit in den Tod gerissen.

Wie das Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte, sprengte sich der Attentäter in einem mit Sprengstoff beladenen Auto vor dem Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe ISAF in die Luft. Mehr als 91 Menschen seien verletzt worden, darunter vier afghanische Sicherheitskräfte und eine Abgeordnete des Parlaments. Unter den Verletzten sind nach Angaben der ISAF auch «einige» ausländische Soldaten. Deutsche seien jedoch nicht betroffen, sagte ein ISAF-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die radikal-islamischen Taliban bekannten sich zu der Tat. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der dpa, der Attentäter mit dem Namen Ahmad habe eine in seinem Toyota-Pkw versteckte 500-Kilogramm-Bombe gezündet. Bei dem Angriff auf die US-Botschaft und das Hauptquartier der NATO-geführten ISAF seien mindestens 25 Ausländer getötet worden, darunter NATO-Soldaten sowie Angestellte und Diplomaten der amerikanischen Botschaft. Angaben der Aufständischen gelten jedoch als äußerst unzuverlässig und haben sich in der Vergangenheit oft als falsch herausgestellt.

Der Anschlag ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Diplomatenviertels Wasir Akbar Khan, in dem unter anderem die deutsche und die amerikanische Botschaft sowie die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) liegen. Auch der Amtssitz des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai befindet sich in der Nähe. Augenzeugen berichteten, durch die Wucht der Explosion seien in einem Umkreis von mehreren hundert Metern Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Dutzende Fahrzeuge brannten aus. Über dem Gebiet war dichter schwarzer Rauch zu sehen.

Vor der zweiten Präsidentschaftswahl seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 ist die Sicherheitslage in Afghanistan äußerst angespannt. Die Aufständischen haben zum Boykott der Wahl am kommenden Donnerstag aufgerufen und landesweit mit Anschlägen gedroht. Um dennoch einen weitgehend störungsfreien Verlauf der Abstimmung zu sichern, sind mehr als 200 000 afghanische Sicherheitskräfte sowie etwa 100 000 ausländische Soldaten aus 42 Nationen im Einsatz. Vor allem in Kabul wurden die Sicherheitsvorkehrungen jüngst drastisch verschärft.

Dennoch demonstrierten die Aufständischen mehrfach Stärke. Erst vor anderthalb Wochen feuerten sie neun Raketen auf Kabul ab und verletzten zwei Zivilisten. Im Januar waren sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor der deutschen Botschaft ums Leben gekommen, darunter mindestens ein US-Soldat. Einen Monat später hatten Selbstmordkommandos der Taliban 26 Menschen bei Angriffen auf das Justizministerium und andere Regierungseinrichtungen getötet.

Konflikte / Afghanistan
16.08.2009 · 09:56 Uhr
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