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Taliban planten angeblich Sturm auf Feldlager

Georg KleinGroßansicht
Berlin (dpa) - Der deutsche Oberst Georg Klein soll den Luftschlag in Kundus unter dem Eindruck von Geheimdienstinformationen über Pläne der Taliban zur Erstürmung des Bundeswehrfeldlagers befohlen haben.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin haben der Bundesnachrichtendienst (BND) und das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK) in den Wochen vor dem Luftangriff in Nordafghanistan einen Drei-Stufen-Plan der Taliban aufgedeckt. Die Recherchen sollen in der Bundesregierung bekannt gewesen sein.

Klein sei davon ausgegangen, dass die radikalislamischen Taliban am Abend des 3. September ihren Plan mit der Entführung der Tanklastwagen in die Tat umsetzen wollten. Nach Mitternacht am 4. September gab er den Befehl zum Luftangriff. Bis zu 142 Menschen starben oder wurden verletzt, darunter viele Zivilisten. Bei der Anweisung von US-Kampfjets zur Bombardierung soll Klein gegen Regeln der internationalen Schutztruppe ISAF verstoßen haben. So soll er wahrheitswidrig angegeben haben, dass eigene Truppen Feindberührung hätten. Deutsche Soldaten waren aber nicht in der Nähe.

Nach den Geheimdienstinformationen hätten die Aufständischen mit Tanklastwagen den ersten Ring des Feldlagers sprengen wollen. Danach hätten Selbstmordattentäter in Kleinwagen den zweiten Ring brechen sollen. Im dritten Schritt hätten viele Dutzend bewaffnete Kämpfer dann in das Feldlager eindringen sollen. Mit dem Angriff hätten die Taliban eine spektakuläre Wirkung wie mit der Erstürmung eines Gefängnisses 2008 in Südafghanistan erzielen wollen. BND und KSK hätten die Rekrutierung von Selbstmordattentätern in der Region und Bewegungen größerer Gruppen bewaffneter Taliban beobachtet.

Mit der Kaperung der dann in einem Flussbett steckengebliebenen Tanklaster und Informationen, dass dort vier führende Taliban seien, habe Klein den Angriffsplan erfüllt gesehen. Für die Bundeswehr habe sich die Frage gestellt, wie der Plan vereitelt werden könne, wenn die Tanklaster wieder fahrbereit gemacht und in das nächste Dorf gelenkt worden wären. Eine Bombardierung in einem Dorf sei ausgeschlossen worden. Klein habe außerdem berücksichtigen müssen, dass ein Teil seiner Soldaten in anderen Gefechten und das Feldlager dadurch verwundbarer gewesen sei.

In der Bundeswehr heißt es, «militärisch-taktisch sei der Angriff ein Erfolg, strategisch aber ein Desaster». Der Afghanistan-Einsatz habe durch die hohe Zahl der Toten national und international Schaden genommen und belaste darüber hinaus das Verhältnis von Deutschland zu Bündnispartnern. Im Nachhinein sei eindeutig, dass Klein den Angriffsbefehl in dieser Abwägung nicht hätte geben dürfen. Eine Bewertung im Nachhinein werde aber der von Klein empfundenen Bedrohungslage kaum gerecht. Klein hatte schon im Juni bei einem Besuch des damaligen SPD-Fraktionschefs Peter Struck gesagt, das deutsche Wiederaufbauteam (PRT) sehe sich zunehmend von den Taliban bedroht. Klein damals: «Man muss das sehr ernst nehmen.»

Der inzwischen entlassene Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hatte bei seiner Bewertung des NATO-Untersuchungsberichts am 29. Oktober auf die problematische Sicherheitslage in der Region Kundus hingewiesen. Er teilte damals mit, von Januar bis Ende August seien sechs Lastwagen und Tanklaster zu Anschlägen missbraucht worden, die zu hohen Verlusten auch bei der Zivilbevölkerung geführt hätten. Seit Mitte Juli habe es Hinweise gegeben, dass ähnliche Anschläge auf das deutsche Wiederaufbauteam geplant seien.

Die Geheimdienstinformationen über den Drei-Stufen-Plan sollten angeblich zum Schutz der Aufklärungsarbeit von BND und KSK nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte den Angriff am 6. November als militärisch angemessen bewertet und diese Haltung am 3. Dezember korrigiert. Allerdings hatte er dabei betont: «Ich darf in aller Klarheit sagen, dass Oberst Klein mein volles Verständnis dafür hat, dass er angesichts kriegsähnlicher Zustände um Kundus (...) subjektiv von der militärischen Angemessenheit seines Handelns ausgegangen ist. Dafür hat er mein Verständnis. Und ich zweifele nicht im geringsten daran, dass er gehandelt hat, um seine Soldaten zu schützen (...).»

Konflikte / Bundeswehr / Afghanistan
16.12.2009 · 10:27 Uhr
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