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Syrische Opposition: 100 Tote an einem Tag

Massen-Gebet für die Todesopfer in Syrien: Nach UN-Schätzungen sollen seit Beginn des Aufstands Tausende getötet worden sein. Foto: Youssef Badawi/ArchivGroßansicht

Kairo/Beirut (dpa) - Kurz vor einem Syrien-Treffen des UN-Sicherheitsrates gehen die Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad mit massiver Gewalt gegen die Opposition vor. Nach Angaben von Aktivisten kamen am Freitag landesweit mindestens 100 Menschen ums Leben.

Allein in der Provinz Hama gab es 44 Tote, als Soldaten die gleichnamige Stadt mit Panzern stürmten. Der Leiter der arabischen Beobachtermission Mohammed al-Dabi sprach von einer «dramatischen Eskalation» der Gewalt in den vergangenen vier Tagen. Nach einer Erklärung der Arabischen Liga sieht er insbesondere in Homs, Hama und Idlib eine Verschärfung der Lage. Die Gewalt schade den Bemühungen, den Weg für einen Dialog zu ebenen, kritisierte der sudanesische General.

Syrische Oppositionelle meldeten am Freitag aus Homs 18 Tote, nachdem Sicherheitskräfte das Feuer auf Gläubige eröffnet hätten, die aus einer Moschee strömten. In der nördlichen Provinz Idlib sei an einem Kontrollpunkt der Armee eine Autobombe gezündet worden, mindestens sechs Soldaten kamen ums Leben. Weitere sechs Regimesoldaten seien in Daraa von Deserteuren der syrischen Armee getötet worden.

Selbst im bislang eher ruhigen Aleppo starben nach diesen Angaben mindestens neun Menschen an ihren Verletzungen, nachdem Sicherheitskräfte auf Demonstranten geschossen hatten. Am Stadtrand von Rankus seien 21 Menschen getötet worden. In der Hauptstadt kam nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana bei einem Bombenanschlag ein Kind ums Leben.

In New York sollte noch am Freitag der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die Eskalation in Syrien beraten. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen sollte über einen Entwurf für eine Resolution gesprochen werden, den Marokko in den Rat der 15 Staaten einbringen wollte. Russland hat allerdings bereits seinen Widerstand gegen die Forderung nach einer Ablösung Assads angekündigt, wie das Außenministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax am Freitag erklärte.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Rande eines Treffens von EU-Außen- und Europaministern in Brüssel: «Wir wollen eine Resolution, die die Gewalt des Assad-Regimes klar und deutlich brandmarkt.» Jetzt bestehe die Chance, «dass sich der Sicherheitsrat zu Syrien endlich klar positioniert. Das ist überfällig».

Am Montag soll der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, vom mächtigsten UN-Gremium angehört werden. Er wird zusammen mit dem Syrienbeauftragten der Liga, Katars Regierungschef Scheich Hamad bin Dschasim al-Thani, in New York erwartet. Die arabischen Staaten hatten am vergangenen Wochenende einen neuen Plan für Syrien verabschiedet, in dem das Regime zum sofortigen Ende der Gewalt und zu demokratischen Reformen mit freien Wahlen aufgefordert wird. Assad soll einen Teil seiner Macht an einen Stellvertreter abgeben.

Seit Beginn der Massenproteste gegen das Regime im März sind in Syrien nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 5400 Menschen ums Leben gekommen.

Konflikte / Syrien
27.01.2012 · 17:38 Uhr
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