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Syriens Regime foltert und tötet weiter

Klammert sich trotz monatelanger Proteste an der Macht: Syriens Präsident Baschar al-Assad.Großansicht

Damaskus/Istanbul (dpa) - Mit Massenfestnahmen und Angriffen auf mehrere Ortschaften haben die syrischen Regierungstruppen am Dienstag weiter versucht, die Protest gegen das Regime zu unterdrücken. Das Militär hielt die Küstenstadt Latakia umzingelt.

Der Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, am Vortag seien in Latakia 15 Menschen getötet worden. In Homs hätten die Sicherheitskräfte bei einer abendlichen Solidaritätskundgebung für das seit dem Wochenende belagerte Latakia zwölf mutmaßliche Gegner des Regimes des Präsidenten Baschar al-Assad erschossen worden. Auch am Dienstag sollen Scharfschützen in Latakia von den Dächern geschossen haben.

Amer al-Sadek, ein Sprecher der Protestbewegung in Syrien, sagte auf Anfrage: «Wir brauchen intelligente Sanktionen, um das Regime zu Fall zu bringen, zum Beispiel einen Stopp der syrischen Öllieferungen nach Europa. Denn mit diesem Geld finanzieren sie die Milizen.» Das Regime könne langfristig mit Wirtschaftssanktionen zu Fall gebracht werden.

Auf die Armee könne die Protestbewegung nicht zählen, sagte al-Sadek. «Denn 70 bis 80 Prozent der Offiziere sind Alawiten, denen man weisgemacht hat, dies sei ein Konflikt zwischen Sunniten und Alawiten. Deshalb kämpfen sie aus Überzeugung.» Die Familie Assad und etliche Spitzenfunktionäre des Regimes gehören der religiösen Minderheit der Alawiten an.

Ein anderer syrischer Aktivist sagte der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefoninterview aus einem Flüchtlingslager in der türkischen Provinz Hatay, am Dienstag habe die Armee drei Ortschaften in der Provinz Idlib angegriffen. Bewohner von Latakia, die in die Türkei geflohen seien, hätten nach ihrer Ankunft in dem Flüchtlingslager von Gräueltaten berichtet. Sie hätten gesagt, die regierungstreuen Kräfte seien gezielt in mehrere Häuser eingedrungen und hätten dort ganze Familien auf brutalste Weise ermordet.

Eine schwangere Frau und ihr Fahrer seien am Sonntag bei dem Versuch erschossen worden, mit dem Auto von Latakia zur türkischen Grenze zu gelangen. Der Ehemann der getöteten Frau und ihr gemeinsamer Sohn seien verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Laut Al-Dschasira wurden in Latakia seit Samstag Hunderte mutmaßlicher Regimegegner festgenommen.

Die Gewalt in Syrien konzentriert sich seit Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan Anfang August vor allem auf die Abendstunden. Denn die meisten Protestaktionen der Regimegegner finden nach den Abendgebeten in der Moschee statt. Tagsüber sollen fromme Muslime im Ramadan nicht essen oder trinken.

Konflikte / Syrien
16.08.2011 · 14:21 Uhr
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