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Syrienkonflikt greift auf Libanon über

Protest im LibanonGroßansicht

Beirut/Damaskus (dpa) - Der syrische Bürgerkrieg droht auf Nachbarländer überzugreifen. Am Sonntag lieferten sich im Libanon Anhänger und Gegner des syrischen Alawitenregimes unter Baschar al-Assad blutige Gefechte.

Syrien selbst kommt nicht zur Ruhe; es gab wieder Dutzende Tote. Oppositionelle warnen vor dem Einsickern ausländischer Gotteskrieger.

Mindestens vier Menschen starben in der libanesischen Hafenstadt Tripoli bei Gefechten von Alawiten- mit Sunnitenkämpfern. Zahlreiche Menschen wurden von Granatsplittern und Schüssen verwundet. Die libanesischen Streitkräfte hätten die Ruhe am Sonntag wieder hergestellt, berichteten die Sicherheitsbehörden.

Auslöser der Gefechte war die Festnahme eines sunnitischen Geistlichen im Zuge von Terrorermittlungen. Die Sunniten warfen den Behörden vor, im Auftrage Assads gegen den Geistlichen vorzugehen, weil er syrischen Flüchtlingen helfe. Damaskus wirft libanesischen Sunniten vor, Waffen für den Widerstand nach Syrien zu schmuggeln.

Auch in Syrien kam es am Sonntag wieder zu blutigen Kämpfen mit zahlreichen Opfern. In Damaskus fand am Samstag ein Staatsbegräbnis für Dutzende Opfer des Anschlages vor einem Gefängnis am Donnerstag statt. Männer sangen: «Gott segne Syrien unter der Führerschaft von Baschar.» Eine Islamistengruppe «Al-Nusra Front zum Schutz des Volkes der Levante» erklärte, sie habe den Anschlag aus Rache für den Beschuss sunnitischer Wohnviertel verübt. Kenner äußerten aber Zweifel an der Echtheit der Internet-Botschaft.

Die Regierung macht Islamisten für die blutigen Terroranschläge verantwortlich und erklärt, Al-Kaida habe zahlreiche Kämpfer in den Großraum Damaskus geschickt. Oppositionsgruppen beschuldigen dagegen systematisch das Assad-Regime, die Anschläge selbst zu inszenieren.

Der Menschenrechtsaktivist Haitham Manna (61) vom Nationalen Koordinationskomitee für Demokratischen Wandel (NCC) sagte der Nachrichtenagentur dpa, ausländische Gotteskrieger gingen in Syrien mit Al-Kaida-Methoden vor. «Einige der sogenannten Dschihadisten kommen über die Türkei, den Libanon, Saudi-Arabien und Jordanien nach Syrien», sagte der im französischen Exil lebende frühere Richter. Die Grenzen müssten strikter überwacht werden. Als Basis für eine Konfliktlösung sehe er nur den Plan des UN-Vermittlers Kofi Annan, der eine Waffenruhe vorsieht. Gewalt «schürt den Extremismus und drängt Syrien an den Rand eines Bürgerkrieges.»

Am Freitag vereitelten die syrischen Sicherheitskräfte nach offizieller Darstellung einen schweren Selbstmordanschlag. In Aleppo seien ein Kleinbus mit mehr als einer Tonne Sprengstoff abgefangen und der Selbstmordattentäter erschossen worden. Dagegen erklärte ein Regimekritiker aus Aleppo, die Sicherheitskräfte hätten das Fahrzeug mit Sprengstoff präpariert, um es später in der Stadt in die Luft zu jagen. Der Sprengstoff sei jedoch vorzeitig detoniert und sechs Menschen seien dabei getötet worden. Die Angaben können wegen der Beschränkung der Medienfreiheit nicht unabhängig überprüft werden.

Die EU-Außenminister wollen an diesem Montag Hilfen für den UN-Beobachtereinsatz in Syrien beschließen. Die EU werde 25 gepanzerte Fahrzeuge zur Verfügung stellen, sagten EU-Diplomaten. Sie dürften zudem weitere Syrer aus dem Umkreis Assads mit Einreiseverbot belegen und Sanktionen auf weitere Unternehmen ausdehnen.

Zwei in Syrien verschleppte türkische Journalisten kehrten nach Vermittlung des Irans am Sonntag zurück in ihre Heimat. Das berichteten türkische Medien. Die beiden Männer waren Anfang März nahe der grenznahen syrischen Stadt Idlib von regierungstreuen Milizen verschleppt und mit dem Tode bedroht worden.

Konflikte / Syrien
13.05.2012 · 17:30 Uhr
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