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Syrien-Kenner: Je grausamer es wird, desto mehr fallen von Assad ab

Der Ausschnitt aus einem Video Ugarit News zeigt eine Straßenszene in Aleppo. Foto: Ugarit NewsGroßansicht

Berlin (dpa) - Der blutige Aufstand gegen das Assad-Regime ist für den Journalisten und Syrienkenner Stephen Starr bei aller Grausamkeit alternativlos. «Syrien ist auf dem richtigen Weg, so blutig er auch ist», sagte Starr in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Der gebürtige Ire hat selbst fünf Jahre lang in der syrischen Hauptstadt Damaskus gelebt. Als einer von ganz wenigen westlichen Journalisten blieb er im ersten Jahr der Aufstände im Land, bis ihm die Lage im Februar zu bedrohlich wurde. Über seine Erlebnisse hat er ein Buch geschrieben.

«Es mag hart klingen, aber auch in vielen anderen Ländern war der Weg in die Demokratie einer mit brutalen Abschnitten - in Irland, in den Vereinigten Staaten, in Frankreich, auf dem Balkan», sagte Starr im dpa-Gespräch. «Aber je grausamer es wird, desto mehr Menschen werden erkennen, dass das Regime nichts anderes ist als eine Mafia, die alles tun wird, um an der Macht zu bleiben.»

Wann das Regime von Präsident Baschar al-Assad fallen wird, vermag Starr nicht zu sagen: «Das ist die Eine-Million-Dollar-Frage.» Er sieht den Machthaber aber im Todeskampf. Das Regime werde nicht überleben. Auch die Kämpfer der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) stießen allerdings militärisch an Grenzen. Starr zufolge haben sie zwar viele ländliche Regionen unter ihrer Kontrolle. Die Städte könnten sie aber nicht langfristig halten.

Eine militärische Intervention des Auslands hält Starr dennoch für den falschen Weg. Ein Angriff könne das Ende des Assad-Regimes zwar beschleunigen, drohe aber die unpolitischen Syrer zu radikalisieren, die eigentlich einfach nur ein ruhiges Leben führen wollen: «Wenn ausländische Flugzeuge Ziele in den dicht besiedelten Gegenden von Damaskus und Aleppo bombardieren, wenn Menschen ihr Zuhause verlieren, dann sticht man in ein Wespennest.»

Starr ist zuversichtlich, dass Syrien sich als Land öffnen wird, sobald Assad gestürzt ist. Die Menschen hätten vier Jahrzehnte in Angst und Schrecken gelebt, daher das Misstrauen. «Wenn das Regime fällt, wird es zwar chaotisch sein, aber die Syrer werden endlich ihre Meinung auf der Straße sagen können», ist Starr überzeugt.

Konflikte / Syrien
29.07.2012 · 21:42 Uhr
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