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Synthetische Drogen überfluten EU

Ecstasy ist schon lange bekannt - neue synthetische Drogen stellen die EU aber vor immer größere Probleme. Archivfoto: Ulrich PerreyGroßansicht

Lissabon (dpa) - Der Drogenkonsum in Europa bleibt relativ stabil, der Konsum bekannter Rauschgifte wie Kokain oder Cannabis geht vielerorts sogar zurück - doch neue synthetische Drogen überfluten den Kontinent im Rekordtempo.

Die Verkäufer der sogenannten Legal Highs seien den Behörden immer einen Schritt voraus, weil sie in der Lage seien, schnell neue Alternativen zu verbotenen Produkten anzubieten, heißt es im Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD), der am Behördensitz in Lissabon vorgestellt wurde.

EBDD-Direktor Wolfgang Götz forderte die Politik auf, daraus Konsequenzen zu ziehen. «Die politischen Drogenstrategien und -Interventionen der EU müssen jetzt darauf abgestimmt werden, die Herausforderung des nächsten Jahrzehnts zu bewältigen.»

Nachdem EBDD und Europol 2010 den historischen Höchstwert von 41 neue Drogen (im Vergleich zu 24 im Jahr 2009) registriert hatten, droht 2011 zum neuen Rekordjahr zu werden. Bisher seien dieses Jahr über das 1997 eingerichtete Europäische Frühwarnsystem schon 39 neue Substanzen gemeldet worden. «Wir fanden das sensationell hoch», sagte Götz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auch die Zahl der Shops, die vorgeblich psychoaktive Produkte verkaufen, stieg bis Juli dieses Jahres mit rund 600 auf einen Rekordwert.

«Das größte Problem bei synthetischen Drogen besteht darin, dass die Leute nicht wirklich wissen, was sie nehmen», sagte Götz der dpa. «Bei einem Joghurt steht auf der Packung, was drin ist, bei einer Pille nicht. Wenn die Leute diese Substanzen dann auch noch mit anderen legalen oder illegalen Drogen mischen, dann kann es zu großen gesundheitlichen Problemen und auch zum Tod führen», so der Deutsche.

Synthetische Drogen, einschließlich Ecstasy und Amphetaminen, werden in Europa aus eingeführten chemischen Grundstoffen illegal produziert. Die Hersteller wenden dabei laut EBDD immer ausgefeiltere Techniken zur Umgehung der Vorschriften an. Der Markt werde dabei zunehmend komplexer. Götz und seine Behörde sprechen von wachsenden Herausforderungen in einem gefährlichen Katz- und Maus-Spiel, die eine «proaktive Strategie» erforderten.

Die Europäische Kommission prüft derzeit, wie Europa neue Substanzen überwacht und darauf reagiert. Die EU-Beobachtungsstelle mit Sitz in Lissabon liefert lediglich Daten und Statistiken. Prävention und Bekämpfung liegen in den Händen der Mitgliedsstaaten.

EU / Drogen
15.11.2011 · 12:02 Uhr
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