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«Superstimmung» zum WM-Auftakt - «La ola» rollt

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Berlin (dpa) - Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel blickten bei der Eröffnungsfeier noch auf fast halbleere Ränge. Doch beim Gehen am Brandenburger Tor steppte der Bär, und am Sonntag rollte erstmals «La ola» durchs fast volle Olympiastadion.

Am Auftakt-Wochenende der Leichtathletik-WM in Berlin zündete ein Funke, der sich wie 1993 in Stuttgart zu einem Feuer der Begeisterung ausbreiten soll. «Ich fand die Stimmung sensationell. Das Publikum war der Punkt, der mich vielleicht zur Bronzemedaille gebracht hat», meinte Kugelstoßer Ralf Bartels nach seinem Coup im Olympiastadion. Das Organisationskomitee (BOC) und der Deutsche Leichtathletik- Verband (DLV) hoffen nun darauf, dass die Arena bald ausverkauft ist.

«Das Zuschauerinteresse liegt vor allem auf der zweiten Hälfte der WM, weil es dort die Entscheidungen im großen Stil gibt. Ich bin aber von der Atmosphäre begeistert», sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Für den Samstagabend hatte der Weltverband IAAF nur zwei Entscheidungen angesetzt, 42 546 Zuschauer erlebten diese mit. Bei den Qualifikationen am Morgen waren 25 300 ins 64 000 Besucher fassende Stadion gekommen, etwas weniger waren es am Vormittag danach. Aber beim Showdown der Supersprinter um den dreifachen Olympiasieger Usain Bolt am Abend sorgten etwa 50 000 für Gänsehautfeeling.

Die Fans nahmen sich die WM 1993 zum Vorbild, als das Publikum im Nachhinein mit dem Fairplay-Preis des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ausgezeichnet wurde: So feuerten sie beim 10 000- Meter-Rennen sogar die Japanerin Yukari Sahaku an, die dem Feld weiter hinterherrannte. Im Vorfeld hatte es viel Kritik am schleppenden Kartenvorverkauf gegeben, doch BOC-Geschäftsführer Heinrich Clausen war nicht nur mit dem Wetter hochzufrieden. «Wir hatten am ersten WM-Tag mehr Zuschauer als die Japaner in Osaka und andere WM-Veranstalter davor», sagte er.

Etwa 100 000 standen nach Polizeiangaben auf dem Prachtboulevard «Unter den Linden», um die Geher beim 20-Kilometer-Rennen anzufeuern. «So viele Menschen aller Nationen habe ich bei einem Geher-Wettkampf noch nie gesehen», sagte Wolf-Dietrich Höhne staunend. Sein Sohn André kam zwar nur auf Rang 14, war aber hingerissen von der Begeisterung. «Es hat einfach Spaß gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass so viele Leute an die Strecke kommen», meinte der Lokalmatador vom SCC Berlin.

Beifallswogen, Trompetenstöße, Trommelwirbel und Jubelrufe ohne Ende begleiteten die Geher auf ihrer historischen Strecke. Zum ersten Mal kamen die Leichtathleten bei einer Weltmeisterschaft zum Volk - und das Volk blieb nicht zu Hause, sondern feierte zwischen Brandenburger Tor und Staatsoper in Massen. Am Luxushotel Adlon, an der Russischen Botschaft, an der Ecke Unter den Linden/Friedrichstraße, am Reiterstandbild des Alten Fritz, an Schinkels Neuer Wache und am historischen Zeughaus summte Berlin wie ein riesiger Bienenkorb. «Superstimmung, alles läuft glatt, alle feiern und sind gut drauf», sagte eine Polizei-Sprecherin.

Es habe nur einen kleinen Zwischenfall gegeben. Im Olympiastadion hat nach Angaben der Polizei vom Sonntag ein Mann einen Stützpfeiler des Daches erklommen und ein Transparent mit der Aufschrift «Peace» (Frieden) entrollt. Der Mann kletterte nach kurzer Zeit freiwillig wieder herab und wurde zusammen mit mehreren anderen Demonstranten vorläufig festgenommen.

Leichtathletik / WM / Stimmung
17.08.2009 · 07:38 Uhr
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