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«Superman» Obama - ein bisschen Lack ist ab

Barack Obama bei seiner Vereidigung als 44. US-Präsident am 20.01.2009 in Washington. (Archivbild)Großansicht
Washington (dpa) - Barack Obama schrieb Geschichte, als er am 4. November vergangenen Jahres als erster Schwarzer zum US-Präsidenten gewählt wurde.

Jetzt, keine neun Monate nach seiner Vereidigung, ist er erst der dritte Chef im Weißen Haus, der während seiner Amtszeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Obama fesselte die Welt schon im Wahlkampf mit seiner rhetorischen Brillanz und einer eingängigen Botschaft von Hoffnung, Wandel und Versöhnung. Seine Beliebtheit im Ausland ist weiterhin enorm. In Staaten wie Deutschland und Frankreich wird er von den Menschen mehr gemocht als die eigenen Führungspersönlichkeiten, auch wenn sich das bisher nicht in konkreten außenpolitischen Erfolgen niedergeschlagen hat.

Innenpolitisch ging Obama mit der ihm eigenen Dynamik in einem atemberaubenden Tempo eine lange Reihe von Problemen an, von der Wirtschaftskrise über Guantánamo bis hin zur Gesundheitsreform. Er stieß dabei wiederholt an seine Grenzen. Mehr als einmal musste er erkennen, dass er die Komplexität der Herausforderungen unterschätzt und den Mund zu voll genommen hat - und seine Anhänger, dass auch ihr «Superman» nicht unfehlbar ist. War Obama nach der tiefen Spaltung des Landes unter seinem Vorgänger George W. Bush auch als innenpolitischer Brückenbauer angetreten, gelang es dem 48-jährigen Liberalen bisher nicht, die parteipolitischen Gräben zu überwinden.

An manchen Tagen sieht man ihm trotz des charakteristischen breiten Lachens die Strapazen an, er sieht älter aus als noch während des Wahlkampfes, vor allem in diesen Tagen, in denen er um die richtige Entscheidung in Sachen Afghanistan ringt. Aber trotz aller Mammutaufgaben und Herausforderungen in den bisherigen schwierigen Monaten seiner Präsidentschaft hat Obama nie seine ruhige Gelassenheit verloren und anscheinend auch nichts von der Kraft, mit der er die Ärmel hochkrempelt.

Noch nie zuvor, so heißt es, hat es im Weißen Haus so lange Arbeitstage gegeben wie unter Obama, noch nie hat sich ein Präsident so häufig und - wie es scheint - auch so gern in der Öffentlichkeit gezeigt. Kaum ein Tag, an dem er nicht irgendeine Rede hält oder eine Erklärung abgibt. Und mit Ehefrau Michelle an der Seite hat er es geschafft, das Bild einer modernen jungen Familie zu vermitteln, die mitten im Leben steht. Bei allem Intellekt, aller Nachdenklichkeit und Eleganz im Auftreten ist Obama ein Präsident zum Anfassen.

Obamas Aufstieg kam blitzartig. Er wurde am 4. August 1961 als Sohn eines schwarzen kenianischen Austauschstudenten und einer weißen Amerikanerin auf Hawaii geboren. Nach der Trennung der Eltern heiratete die Mutter einen Indonesier, die Familie zog nach Jakarta. Dort ging Obama bis 1971 zur Schule, danach zogen ihn die Großeltern auf Hawaii weiter groß. Nach einem Politikstudium in New York, Sozialarbeit in Chicago und einem Jurastudium an der Eliteuniversität Harvard lehrte Obama an der Universität von Chicago Rechtswissenschaft. Im Alter von 35 zog er in den Senat von Illinois ein, 2004 in den US-Senat.

Im Februar 2007 stieg Obama als demokratischer Präsidentschaftsbewerber in den Ring - zunächst als hoffnungsloser Außenseiter eingestuft, gelang ihm mit seiner Botschaft des Wandels der Sieg über die parteiinterne Rivalin Hillary Clinton. Nach der Vereidigung am 20. Januar 2009 schwor Obama in seiner ersten Rede als Präsident seine Landsleute auf einen Neuanfang in Amerika und die Welt auf eine «neue Ära» der Versöhnung und des Friedens ein.

Sein Rockstar-Image daheim hat sich inzwischen etwas abgenutzt, dazu sieht man ihn auch zu häufig. Aber seine mit Charme gepaarten rhetorischen Fähigkeiten faszinieren immer wieder. So gilt etwa seine Rede am 4. Juni in Kairo, in der er für einen Neuanfang zwischen den USA und der moslemischen Welt warb, als ein Glanzstück.

Politisch hat sich Obama als ein pragmatischer Liberaler erwiesen - zu pragmatisch in den Augen mancher. Obama setzt gemäß seinem Wahlversprechen auf Dialog mit Staaten wie Kuba, dem Iran und Nordkorea, er macht sich für eine Welt ohne Atomwaffen stark, will eine Krankenversicherung für alle Amerikaner und das Gefangenenlager in Guantánamo schließen. Beim Umgang mit den Terrorverdächtigen geht er aber nicht so weit, wie es sich Menschenrechtler erhofft haben, und auch die Schwulen und Lesben sind von ihm enttäuscht. Ein bisschen Lack ist ab.

Nobelpreise / International
09.10.2009 · 22:55 Uhr
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