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Südkorea: Rätsel um Untergang von Kriegsschiff

Schiffe der südkoreanischen Marine auf der Suche nach Überlebenden.Großansicht
Seoul (dpa) - War es ein Unfall oder lief die Korvette auf eine nordkoreanische Mine? Nach dem Untergang eines südkoreanischen Kriegsschiffs an der Seegrenze zum kommunistischen Norden ordnete Präsident Lee Myung-bak eine «schnelle und gründliche» Untersuchung der Ursache an.

Derweil suchten Taucher am Samstag im eiskalten Wasser des Gelben Meeres weiter nach Besatzungsmitgliedern der 1 200 Tonnen großen «Cheonan». 46 von 104 Seeleuten wurden noch vermisst, es gab jedoch wenig Hoffnung, sie lebend zu bergen.

Präsident Lee erklärte, bei der Untersuchung des Unfalls müssten «alle Möglichkeiten» in Betracht gezogen werden. Die südkoreanischen Militärs gingen zunehmend davon aus, dass die «Cheonan» entweder auf eine Seemine lief oder sich an Bord eine Explosion ereignete. In ersten Berichten war spekuliert worden, das Schiff sei möglicherweise von einem nordkoreanischen Torpedo getroffen worden. Die Ermittler hielten diese Version angesichts der Umstände für weniger wahrscheinlich.

Ein hoher Marinevertreter sagte der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, es gebe nach derzeitigem Kenntnisstand nur wenige Hinweise auf eine Rolle Nordkoreas bei der Havarie. Ein anderer Marinesprecher sagte der Zeitung «Korea Times»: «Im Moment liegen noch alle Möglichkeiten auf dem Tisch.»

Die «Cheonan» war mit 104 Besatzungsmitgliedern auf Patrouillenfahrt, als am Freitagmittag eine Explosion ein Loch achtern in den Schiffsrumpf riss. 58 Seeleute konnten gerettet werden, darunter 11 Verletzte und 2 Schwerverletzte. Sie wurden per Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurden.

Der Kapitän des Schiffes, Choi Won Il, sagte der Zeitung «Korea Herald», die «Cheonan» sei in zwei Teile zerbrochen. Daraufhin sei zunächst der hintere Teil untergegangen. Das Schiff sei innerhalb weniger Minuten gesunken. Er habe alles getan, um die Besatzung zu retten und bedaure, nicht alle Crewmitglieder in Sicherheit gebracht zu haben. Ein anderes Besatzungsmitglied widersprach diesen Angaben. Er schließe eine Explosion an Bord kategorisch aus, sagte ein Leutnant dem Blatt.

Die Suche nach weiteren Überlebenden wurde nach Marineangaben am Samstag durch die niedrigen Wassertemperaturen am Unglücksort stark behindert. Taucher konnten laut Militär jeweils nur 40 Minuten im Wasser bleiben. Die Marine wollte Angehörige der Vermissten am Sonntag in Schiffen zum Unglücksort bringen.

Die «Cheonan» ging rund 1,8 Kilometer südwestlich der südkoreanischen Insel Baengnyeong unter. Die Insel nutzen die südkoreanische und die US-Armee wegen ihrer Nähe zu Nordkorea als Beobachtungsposten. Sie wird zudem häufig von nordkoreanischen Bootsflüchtlingen angesteuert. In dem Seegebiet kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Scharmützeln zwischen der Marine des demokratischen Südens und des kommunistischen Nordens.

Verteidigung / Südkorea
27.03.2010 · 17:30 Uhr
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