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Südafrikanische Partystimmung durch Remis kaum getrübt

Südafrikanische FansGroßansicht
Kapstadt (dpa) - Südafrika war so nah dran, in kollektive Euphorie zu verfallen. 24 Minuten lang schien es, als ob das Tor von Siphiwe Tshabalala den Südafrikanern ihr Wintermärchen bescheren könnte. Aber als Rafael Marquez in der 79. Minute den Ausgleich für Mexiko schoss, ging ein Stöhnen durchs Land.

In den Fan-Zonen, wo sich überall tausende Menschen drängelten, wurde es plötzlich ganz still. Erst allmählich begannen wieder die Vuvuzelas zu dröhnen, stimmten die Fans trotzige «Bafana Bafana»-Rufe an. Das Unentschieden zum Auftakt der WM konnte letztendlich auch nicht die ausgelassene Partystimmung trüben. Schließlich darf sich das Team weiter Hoffnungen machen, das genügt den optimistischen Südafrikanern.

«Das war doch nicht schlecht, wir schlagen jetzt Uruguay und Frankreich», meinte fröhlich der Automechaniker Houston Claron (24), der mit etwa 25 000 anderen Fans bei strahlendem Wetter in der City von Kapstadt das Spiel auf Riesenbildschirmen verfolgt hatte. Südafrikas Fans, von denen fast jeder zweite ein gelbes Trikot trug, dürfen weiter träumen - und vor allem feiern, tanzen, singen, so wie sie das seit Tagen schon mit Fantasie, Lebensfreude und viel Musik allerorten tun.

Ein unbeschreiblicher Aufschrei des Jubels ging durch die Städte und Vororte, Townships und Siedlungen, als Südafrika in Führung gegangen war. Millionen Menschen konnten ihr Glück nicht fassen, Wildfremde fielen sich in die Arme, sie schwenkten ihre farbenfrohen Fahnen, tröteten mit ihren Vuvuzelas. Sollte der Außenseiter über den Favoriten triumphieren können? Es reichte dann doch nicht, aber die Südafrikaner sind dennoch stolze Gastgeber der Weltmeisterschaft - und misslungen war die WM-Premiere ja auch nicht.

Natürlich waren manche geknickt: «Mich hat die Mannschaft enttäuscht, ich bin sehr traurig», meinte der Student Cyron Senjo. «Ich finde es nur schade, dass das unsere Stimmung verderben könnte», sagte Serena Bahlesa (36). Allerdings sah es zum Auftakt der WM und auch nach dem Spiel nicht so aus, als ob sich die Gastgeber so leicht die Laune verderben ließen. Mit karnevalistischer Ausgelassenheit, fröhlich und friedlich, tanzend und singend feierten Millionen seit dem frühen Nachmittag in den Fan-Parks der Städte.

Aber nicht nur dort: Hunderte Fußballfans aus den ländlichen Gebieten um KwaMhlanga nördlich von Pretoria versammelten sich im Fan-Park von Moloto, um die Eröffnung und das Spiel auf der Leinwand zu verfolgen. Selbst eine Niederlage wäre nicht tragisch gewesen, «weil wir jetzt Geschichte schreiben», meinte Aubrey Sebothoma (35). Es überwiegt auch der Stolz, diese WM überhaupt gestemmt zu haben, trotz aller Widerstände und allen Misstrauens eine WM mit wunderschönen neuen Stadion und beeindruckender Organisation.

«Dies ist ein historischer Tag. Ich habe mich so nicht mehr gefühlt seit Mandela Präsident wurde», sagte Busfahrer Christopher Jordaan (48) in Kapstadt. Für den Studenten Tipho Kalule (19) war es «der beste Tag meines Lebens. Wie traurig, dass Mandiba nicht da ist, dem haben wir das alles zu verdanken». «Heute kommt etwas ganz Großartiges nach Afrika und ich bin so begeistert, Afrikaner zu sein, während uns die ganze Welt zuschaut», freute sich Gillian Malumba (28), der aus dem Kongo stammt. «Heute gehen wir aufrecht und stolz... Wir haben als junge Nation ein neues Wunder geschaffen», jubelte der Kommentator der «Times».

Auch Bafana Bafana leistete Enormes. Schließlich hatte das ganze Land die Stimmung angeheizt und die Erwartungen irrsinnig hoch geschraubt. Der Druck war enorm. Vom Staatspräsidenten bis zu Fußballexperten, den Kommentatoren und Ex-Fußballstars, alle sagten einen Sieg voraus, wollten ihn herbeireden. «Nun tragen diese elf Spieler auf ihren Schultern die Verantwortung für die Erwartungen von 50 Millionen Südafrikanern», formulierte kurz nach Anpfiff der Kommentator des staatlichen Fernsehens. Nach dem 1:0 schien selbst die Vorgabe von Präsident Jacob Zuma, «den Cup im Land zu behalten», nicht mehr ganz so weltfremd und absurd.

Die Abwesenheit Nelson Mandelas bei der Eröffnungsfeier war neben dem Unentschieden ein weiterer Wermutstropfen für den süßen Rausch des WM-Spektakels. Am Morgen hatten die Südafrikaner vom tragischen Unfalltod der 13-jährigen Urenkelin Mandelas erfahren. Alle hatten Verständnis, dass er nun nicht kam.

Fußball / WM / Stimmung / Südafrika
11.06.2010 · 23:23 Uhr
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