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Suchtexperte: Gesundheit wichtiger als Profite

Nationalspieler Philipp Lahm steht an der Werbebande eines Bierherstellers. Suchtexperten fordern ein Werbeverbot für Alkohol in Fußballstadien. (Archivbild)Großansicht
Heidelberg (dpa) - Der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen kann nach Überzeugung des Fachverbandes Sucht nur gebremst werden, wenn die Politik die gesundheitlichen Interessen über die wirtschaftlichen stellt.

«Wir brauchen dazu umfangreiche Maßnahmen, welche sich sowohl auf die Änderung des Trinkverhaltens beziehen, wie auch gesetzliche Vorgaben beispielsweise für ein generelles Werbeverbot für Alkohol in Fußballstadien und anderen Sportstätten», sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Volker Weissinger, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

«Außerdem sollten die Verbrauchssteuern für Alkohol erhöht werden.» Deutschland bewege sich hier bislang im Mittelfeld der EU, bei Bier sogar deutlich unter dem Mittelwert, sagte Weissinger anlässlich des 22. Bundeskongresses seines Verbandes in Heidelberg, der von diesem Montag bis Mittwoch stattfindet. Die Organisation fordert ein «Nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention».

Der Verband wolle den Alkohol nicht verteufeln. «Wir müssen aber dringend einem übermäßigen und riskanten Konsum entgegenwirken», sagte Weissinmger. Angesichts der Wirtschaftskrise sei es schwierig, eine derartige gesundheitspolitische Diskussion zu führen, da es auch um handfeste Interessen der Industrie und erhebliche Steuereinnahmen gehe. «Aber neben den menschlichen Tragödien, die Alkoholabhängigkeit und -missbrauch mit sich bringen, ist der volkswirtschaftliche Schaden immens.» Untersuchungen zufolge liege er jährlich bei 22 Milliarden Euro in Deutschland.

«Unser vorrangiges Interesse muss es sein, die Jugendlichen zu schützen», meinte Weissinger. «Darum muss die Politik abwägen, wo sie ihre Schwerpunkte setzt.» Das Missverhältnis zwischen den Ausgaben für Alkoholwerbung und denen für Präventionskampagnen sei dramatisch: «2007 lagen die Werbeausgaben der Alkoholindustrie bei 557 Millionen Euro, für Sponsoring wurden nochmals etwa 600 Millionen ausgegeben - für die Drogen- und Suchtaufklärung standen dagegen nur 6,7 Millionen Euro zur Verfügung.»

Weissinger räumte ein, dass Verbote allein nicht ausreichend sind. «Wir müssen auch unser Verhalten insgesamt verändern», sagte er. «Aufklärung und verschiedene Aktionen können im Zusammenhang mit gesetzlichen Maßnahmen den Alkoholkonsum verändern.» Als Beispiel nannte er den Genuss von Alkohol im Betrieb: «Heutzutage ist das Gläschen Sekt oder die Flasche Bier eher die Ausnahme - auch auf dem Bau.»

Gespräch: Marion van der Kraats, dpa

www.sucht.de

Gesundheit / Sucht
15.06.2009 · 09:56 Uhr
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