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Suche nach Erdbebenopfern Wettlauf gegen die Zeit

Rettungskräfte suchen in zerstörten Gebäuden in Padang nach Überlebenden.Großansicht
Jakarta (dpa) - Nach dem schweren Erdbeben auf Sumatra suchen Helfer verzweifelt nach Überlebenden. Für die Einsatzkräfte in Indonesien ist es ein Wettlauf gegen die Zeit: Rustam Pakaya, Sprecher des Krisenzentrums im Gesundheitsministerium, sprach von etwa 3000 Vermissten.

Viele von ihnen werden unter eingestürzten Gebäuden vermutet. Retter versuchten mit bloßen Händen, Trümmer beiseite zu räumen und zu den Opfern vorzudringen. Das Gesundheitsministerium des Inselstaats sprach am Freitag von mehr als 460 Toten, zuvor war von mehr als 770 die Rede.

Die Behörden rechnen damit, dass die Opferzahlen noch steigen werden. Die Vereinten Nationen gehen bislang von mehr als 1100 Toten aus. Mehr als 2400 Menschen wurden nach Angaben der indonesischen Behörden verletzt. «Wir haben nicht ausreichend Maschinen», sagte Zul Aliman, der Chef der Bergungsteams aus West-Sumatra. Eine junge Frau wurde nach 40 Stunden unter den Trümmern gefunden, aber meistens ziehen die Einsatzkräfte nur noch Leichen hervor. Dennoch sagte der Bürgermeister von Padang, Fauzi Bahar: «Wir hoffen, dass es noch Überlebende gibt.» In der 900 000-Einwohner-Stadt wurden mehr als 500 Gebäude zerstört oder schwer beschädigt.

Aus entlegeneren Regionen fehlt noch ein Überblick über Opfer und Schäden. Zu vielen Orten des Katastrophengebiets sind die Helfer noch gar nicht vorgedrungen. Vor dem M.Djamil-Krankenhaus in Padang wurden Tote in gelben Leichensäcken abgelegt. Ärzte haben davor Zelte aufgebaut, um die vielen Verletzten zu versorgen. Die meisten kommen mit Knochenbrüchen, Schürfwunden und Kopfverletzungen. In der Klinik gab es am Freitag kein fließendes Wasser, Strom wurde mit Hilfe von Generatoren notdürftig erzeugt. «In so einer Situation muss man sich mit dem behelfen, was man hat», sagte ein Mediziner.

Schleppende Bergungsarbeiten

Am Mittwochabend hatte ein Erdbeben der Stärke 7,6 die Region erschüttert, am Donnerstagmorgen folgte ein weiterer Erdstoß der Stärke 7,0. Es fehlt an technischem Gerät im Katastrophengebiet. «Wir glauben, das unser Sohn unter diesen Trümmern ist und noch lebt», sagte Gindo, der vor den Resten eines zweistöckigen Hauses wartete. Sein Sohn hatte einen Laden im Erdgeschoss.

Aus Angst vor Nachbeben verbrachten tausende Menschen die zweite Nacht in Folge im Freien. Sie bauten sich mit Plastikplanen und Zelten notdürftige Unterstände. Die Stromversorgung ist in weiten Teilen von Padang noch nicht wieder hergestellt. Unter dem eingestürzten fünfstöckigen Ambacang-Hotel werden Dutzende Verschüttete vermutet. Das Hotel hatte regelmäßig viele ausländische Gäste. Ob Touristen unter den Opfern sind, wusste am Freitag niemand.

Vizepräsident Jusuf Kalla schätzte die Wiederaufbaukosten auf mehr als 4 Billionen Rupien (285 Millionen Euro). Die Erdstöße vernichteten oder beschädigten große Teile der Infrastruktur wie Straßen, Brücken, Telefon- und Wasserleitungen.

Bundespräsident Horst Köhler drückte dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono in einem Schreiben seine «tief empfundene Anteilnahme» aus. «Deutschland ist bereit, humanitäre Hilfe zu leisten, um der betroffenen Bevölkerung so schnell wie möglich zu einem normalen Leben zurückzuhelfen», schrieb Köhler nach Angaben des Bundespräsidialamtes in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel hatte dem indonesischen Staatsoberhaupt bereits am Donnerstag zwei Millionen Euro für Soforthilfe zur Verfügung gestellt.

Tote auf Samoa angeschwemmt

Auf der Südseeinsel Samoa wurden drei Tage nach dem schweren Tsunami weitere Leichen angeschwemmt. 30 Tote wurden in dem Ort Lalomanu an der Südküste geborgen, sagte der Deutsche Ronald Kubik am Freitag. Dort gab es eine beliebte Ferienanlage. Am Strand ragen zwischen den Trümmern von Häusern und Hütten nur noch einzelne Palmen in den Himmel. «Lalomanu gleicht einer Müllhalde», beschrieb ein Augenzeuge die Lage in der Zeitung «New Zealand Herald» vom Freitag.

Die Behörden gaben die Opferzahl mit etwa 150 an. Viele Menschen wurden aber noch vermisst. Am Freitag bebte die Erde in der Region erneut. Ein Beben der Stärke 6,3 erschütterte den Inselstaat Tonga mehrere hundert Kilometer südlich von Samoa. Schäden wurden nicht gemeldet. Eine der nördlichsten Inseln von Tonga war bei dem Tsunami am Dienstag von einer meterhohen Welle überschwemmt worden. Mehrere Menschen kamen dort ums Leben.

Nach Angaben von Kubik waren sieben deutsche Touristen auf Samoa, die leicht verletzt wurden. Sie seien aber alle wohlauf. Keiner der 25 deutschen Einwohner war zu Schaden gekommen. In den Krankenhäusern der Insel fehlt es an Medikamenten und Blutreserven.

Hilfsmaßnahmen laufen an

Nach den Naturkatastrophen in Südostasien und im Südwest-Pazifik verstärkte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF seine Arbeit in den betroffenen Regionen. Die Mitarbeiter brächten Hilfsgüter für 250 000 Menschen in das Erdbebengebiet auf Sumatra, teilte UNICEF Deutschland in Köln mit. Darunter seien 100 Wassertanks, Pumpen und technisches Gerät, 40 000 Wasserkanister und 250 Zelte für Notschulen. «Die Kinder brauchen dringend sauberes Wasser und müssen vor Durchfallkrankheiten und Infektionen geschützt werden», sagte Angela Kearney, Leiterin von UNICEF Indonesien.

Erdbeben / Indonesien
02.10.2009 · 20:29 Uhr
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