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Sturm auf britische Botschaft in Teheran

Massensturm auf die britische Botschaft in Teheran: Zäune konnten die Demonstranten nicht aufhalten. Foto: Abedin TaherkenarehGroßansicht

Teheran (dpa) - Die Spannungen zwischen dem Iran und Großbritannien sind in offene Gewalt umgeschlagen. Aus Protest gegen Sanktionen und den Tod eines Atomwissenschaftlers haben iranische Studenten am Dienstag die britische Botschaft in Teheran gestürmt und etwa zwei Stunden lang besetzt.

Die Regierung Großbritanniens kündigte Konsequenzen an. Heftige Kritik kam auch von US-Präsident Barack Obama: «Dass Randalierer einfach die Botschaft stürmen und in Brand setzen können, ist ein Zeichen, dass die iranische Regierung ihre internationalen Verpflichtungen nicht ernst nimmt.»

Auf Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie Iraner Brandsätze warfen, die britische Flagge verbrannten und Scheiben zerstörten. Sicherheitskräfte hätten sechs Mitarbeiter der Botschaft befreit, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Die rund 200 Botschaftsbesetzer seien mit Tränengas vertrieben worden. Das iranische Außenministerium bedauerte den Zwischenfall.

Die Studenten kündigten am Dienstagabend eine noch härtere Konfrontation an. Sie warfen den Mitarbeitern der britischen Botschaft Spionage vor. Sie forderten außerdem, die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien zu beenden, wie Fars weiter berichtete.

Großbritanniens Premierminister David Cameron kündigte Konsequenzen an. «Der Angriff auf die britische Botschaft in Teheran war abscheulich und nicht zu rechtfertigen. Dass Irans Regierung die britischen Mitarbeiter und das britische Eigentum nicht verteidigen konnte, ist eine Schande», sagte er.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle bestellte den iranischen Botschafter ein. «Diese Erstürmung ist völkerrechtswidrig, sie ist in keiner Weise akzeptabel», sagte Westerwelle.

Iraner protestierten ebenfalls vor einem Wohnkomplex britischer Diplomaten im Stadtteil Golhak, wo sich auch die deutsche Schule befindet. Diese wurde nach Aussage der Bundesregierung offenbar auch in Mitleidenschaft gezogen. «Iran ist völkerrechtlich zum Schutz von ausländischen Diplomaten und ausländischen Missionen verpflichtet und muss dieser Schutzpflicht ohne Wenn und Aber nachkommen», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Die Demonstranten waren nach Angaben von Fars «sehr motiviert und überzeugt». Sie hätten auch Bilder der britischen Königin Elisabeth II. von den Wänden gerissen und Dokumente zerstört. Die Studenten hätten dann die iranische Flagge als Zeichen des Sieges gehisst und das Botschaftsgelände zum iranischen Staatseigentum erklärt.

Die Erstürmung der Botschaft ist nach Angaben von Fars auch eine Reaktion auf den Tod eines Atomwissenschaftlers. Demnach sollen israelische und britische Geheimdienstmitarbeiter den Iraner Majid Shahriari vor einem Jahr getötet haben.

Trotz der Anwesenheit zahlreicher Polizisten und Spezialkräfte kletterten etwa 200 Demonstranten über die Botschaftsmauer, wie Fars berichtete. Tausende Studenten hatten sich vor der Botschaft versammelt und die Ausweisung des britischen Botschafters verlangt. Sie riefen «Tod England» sowie «Tod den USA und Israel». Angeblich wurden in der Menge dieselben Schläger gesichtet, die 2009 schon bei der Niederschlagung von Protesten gegen die Wiederwahl Ahmadinedschads auf Videobildern zu erkennen waren.

Das iranische Außenministerium verurteilte in einer Erklärung das inakzeptable Verhalten einiger Demonstranten. Polizei und Sondereinsatzkräfte hätten versucht, dies zu verhindern. Der Vorfall werde untersucht.

Am Sonntag hatte das iranische Parlament über einen Gesetzentwurf entschieden, wonach der britische Botschafter aus Iran ausgewiesen und die diplomatischen Beziehungen zu London eingeschränkt werden sollen. Der Schritt ist eine Reaktion auf die Sanktionen, die Großbritannien mit den USA und Kanada gegen Iran verhängt haben. Die internationale Atomenergiebehörde hatte einen alarmierenden Bericht veröffentlicht, wonach der Iran zumindest bis 2010 an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet haben soll.

Der iranischen Zentralbank wird Geldwäsche vorgeworfen. Großbritannien brach sämtliche Verbindungen zu iranischen Banken ab. Die Regierung Teherans hatte die Sanktionen scharf kritisiert.

Die Spannungen zwischen dem Iran und Großbritannien halten seit Jahren an. Zuletzt habe es einen Streit über die Eigentumsrechte an dem Gartengelände des britischen Botschaftskomplexes gegeben, wo die Diplomaten wohnten, berichtete Fars.

Im November 2009 hielt die iranische Marine fünf britische Segler fest. Im März 2007 nahm der Iran 15 britische Matrosen gefangen, die in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen sein sollen. 2004 hatte Iran im Schatt el Arab, dem Mündungsfluss von Euphrat und Tigris, drei britische Patrouillenboote aufgebracht.

Konflikte / Atom / Iran / Großbritannien
29.11.2011 · 21:56 Uhr
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