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Studienplatztausch - Fiese Machenschaften an der Uni

Erlangen war nicht das, was Emma* wollte. Erlangen stand als allerletzter Punkt auf ihrer Wunschliste fürs Medizinstudium, die sie bei der Stiftung für Hochschulzulassung einreichte. Doch genau das war es geworden. Emma hatte die Wahl: Entweder nach Erlangen gehen oder das Medizinstudium sausen lassen. Beides war keine Option. Also meldete sie sich bei einem Studienplatztausch-Portal an - und erlebte eine böse Überraschung. Um 500 Euro wurde sie erpresst, um ihren Studienplatz in Leipzig zu bekommen. Dabei hatte die Suche so verheißungsvoll begonnen.

Einen Tag, nachdem die Studentin ihre Erlangen-Zulassung in der Tauschbörse gegen einen Platz in Leipzig angeboten hatte, bekam sie einen Anruf: Erlangen gegen Dresden. Über das Diskussionsforum von StudiVZ fand sie eine weitere Tauschwillige: Dresden gegen Leipzig. Damit bekam sie Leipzig gegen Erlangen. Der Ring war perfekt. Also fuhr sie von Leipzig nach Erlangen, um sich in ihrer Uni einzuschreiben, das Formular zum Studienplatztausch auszufüllen und sich direkt wieder exmatrikulieren zu lassen. So sagen es die Vorschriften. In Dresden und Leipzig wiederholten sie und ihre Tauschpartnerinnen das Spiel.

Doch dann das Horrorszenario eines jeden Tauschers: Eine der Partnerinnen äußerte Bedenken, der Wechsel drohte zu platzen. «Wenn nur einer aus dem Ring aussteigt, ist der ganze Tausch futsch», sagt Emma im Gespräch mit news.de.

Was ihre Tauschpartnerin mit den Zweifeln bezwecken wollte, war schnell klar: In Bayern fallen Studiengebühren in Höhe von 500 Euro an. Das Geld sollte Emma auf den Tisch legen. Nur so nahm die Tauscherin ihr auch den Platz in Erlangen ab. Emma hatte sich darauf verlassen, in Leipzig studieren zu können, wo sie bis dahin wohnte. Zudem drängte die Zeit. Es war Ende September und sie hätte sich eine Wohnung in Erlangen suchen müssen. Also stimmte sie dem Geschäft zu.

«Empörend, dass solche Menschen Mediziner werden»

Erpressung nennt es dagegen Manfred Bähr vom Verein zur Förderung studentischer Belange in Bonn. Seit 30 Jahren ist er im Studientauschgeschäft, vermittelt Plätze und organisiert Wechsel. Eine solche Geschichte ist ihm bisher nicht untergekommen. «Dass solche Menschen Humanmediziner werden, finde ich empörend», sagt er im Gespräch mit news.de.

Die Onlinebörse Studienplatztausch.de, die Bähr betreibt, weist in ihren FAQ ausdrücklich darauf hin, dass Studenten für einen Tausch kein Geld bezahlen sollten. Jemand, der auf seinem Portal inseriere und dann Geld für einen Wechsel erpresse, fliege hochkant aus dem Verteiler. Denn dafür sei das System des Tauschens nicht entstanden.

In Österreich hatte dieser zwielichtiger Handel bereits Konsequenzen: Zum Wintersemester 2011/12 änderten die Unis Innsbruck und Wien ihre Aufnahmebedingungen, weil die Studenten dort bis zu 8000 Euro zahlten, um von Innsbruck an den beliebteren Standort Wien zu wechseln. Auch einige Universitäten in Deutschland, wie München oder Ulm, lehnen aus genau diesem Grund einen Tausch vor dem ersten Semester ab.

Schwarze Schafe gefährden die Idee

Artikel 12 des Grundgesetzes garantiert zwar das Recht, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Durch die vielen Zulassungsbeschränkungen der Unis wird dieses Recht jedoch stark eingeschränkt. Die Hochschulen haben das letzte Wort. Einen gesetzlichen Anspruch auf Studienplatztausch gibt es nicht.

Bähr weiß: «Schwarze Schafe gibt es überall.» Sie gefährden, dass weitere Unis ihre Bedinungen ändern und künftig überhaupt keine Wechsel mehr stattfinden. Dennoch kann er beruhigen: In der Regel laufen die Gesuche auf seiner Onlinebörse so ab, wie es die Vorschriften verlangen. Studienplatztausch.de hat derzeit mehr als 7800 Angebote auf der Seite. «Je härter der Zulassungsdruck, desto höher das Tauschangebot. Medizinische Fächer stehen daher ganz oben auf der Wunschliste», sagt Bähr. Bei einem Drittel der Fälle gelinge der Tausch, das seien jährlich 6000 bis 8000 Wechsel. Zwei Drittel müssten auf den Uniumzug verzichten. Emma hatte also Glück und Pech zugleich.

Mittlerweile hat sie ihr Physikum bestanden. Prüfung für Prüfung arbeitet sie an ihrem Traum, Ärztin zu werden. Die 500 Euro, die sie zu Beginn investiert hat, so hofft sie, rechnen sich irgendwann - wenn sie ihr Examen in der Tasche hat und die ersten Patienten behandeln darf.

*Name von der Redaktion geändert

[news.de] · 01.01.2012 · 11:41 Uhr
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