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Studie: Neue AKW und Endlager im Süden denkbar

Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) hält laut einem Zeitungsbericht eine Studie zu Atomkraftwerken zurück.Großansicht
Berlin (dpa) - Ein von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bestelltes Konzept zur künftigen Energieforschung hat den Streit um die Atomkraft weiter angeheizt. Rund 100 Wissenschaftler halten unter bestimmten Bedingungen auch den Bau neuer Atommeiler in Deutschland für möglich.

Zugleich empfehlen sie in dem durch Medien am Mittwoch bekanntgewordenen Papier die Suche nach einer Alternative zum geplanten Endlager im Salzstock Gorleben. Denkbar sei auch die Einlagerung des Atommülls in Tongestein. Die meisten deutschen Tonformationen gibt es in Baden-Württemberg - der politischen Heimat Schavans. Das Papier trägt den Vermerk «Zum vertraulichen Gebrauch».

Schavans Sprecher Elmar König bestätigte am Mittwoch, dass das Ministerium bereits im Juni einen ersten Entwurf des Konzepts erhalten habe. Dabei habe man den Wunsch der drei beauftragten Wissenschaftsakademien akzeptiert, das 60-Seiten-Papier erst im Oktober - also nach der Bundestagswahl - zu veröffentlichen.

Der Mitautor und renommierte Risikoforscher Ortwin Renn (Stuttgart) begründete dies in einem Brief an seine Kollegen mit der Gefahr, dass das Konzept ansonsten «im Wahlkampf untergeht oder zerredet wird». Renn hat langjährige Erfahrungen in der Technikfolgenabschätzung sowie in der Einbindung von Öffentlichkeit und Interessengruppen bei der Lösung konfliktbeladener Themen. Die «Financial Times Deutschland» zitierte am Mittwoch aus Studie und Brief. Die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) und auch das «Handelsblatt» stellten das Konzept ins Internet.

Zur Endlagersuche heißt es in dem Papier: «Bei kaum einer anderen Technologie sind Akzeptanzverweigerung und Mobilisierung so hoch, wie bei der Frage der nuklearen Abfallentsorgung.» Zwar seien laut Umfragen 80 Prozent der Bevölkerung davon überzeugt, dass Deutschland dringend ein nukleares Endlager benötige, aber nur 12 Prozent seien auch bereit, ein solches in ihrer Nähe zu akzeptierten.

Für die Entwicklung und den Bau neuer Atommeiler in Deutschland listen die Wissenschaftler Bedingungen auf, wie die Fortschreibung hoher Sicherheitsstandards, den Einsatz neuerer, effektiverer Reaktorlinien und weitere umfassende Forschungen zum Strahlenschutz.

«Aufgrund der Erfahrung mit Widerständen gegen die Nutzung der Kernenergie in den vergangenen Jahrzehnten ist zu erwarten, dass ein Wiedereinstieg nicht ohne größere gesellschaftliche Konflikte vonstatten gehen würde», heißt es in dem Konzept weiter. Notwendig seien deshalb auch soziologische Forschungen für Akzeptanzstrategien.

Schavans Sprecher sagte, die Wissenschaftler hätten «denkbare Szenarien» für künftige Forschungen entwickelt und keine konkreten Vorschläge gemacht. Das Ministerium habe dabei keinerlei Einfluss ausgeübt. König: «Die Wissenschaft ist frei. Die politischen Entscheidungen aber treffen die Regierungen der Zukunft.»

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, Klarheit zu schaffen. Während sie offiziell von der Atomkraft als «Brückentechnologie» für den Übergang zu den Erneuerbaren Energien spreche, lasse sie zu, dass Schavan Gutachten in Auftrag gibt, «die schon mal den Neubau von Atomreaktoren untersuchen». Offensichtlich spiele die Atomkraft in den Planungen der Union «insgeheim eine größere Rolle als bisher immer behauptet».

Die Fraktionsvize der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, sagte, wenn im Forschungsministerium über den Bau neuer Atomkraftwerke nachgedacht werde, «haben die Wähler ein Recht, das vor der Wahl zu erfahren». Das Gutachten offenbare, was viele in Union und FDP wirklich wollten. Höhn: «Sie reden von Laufzeitverlängerungen, wollen aber den Bau neuer Atomkraftwerke», sagte Höhn.

Bei der Studie mit dem Titel «Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland» handelt es sich um den ersten großen Forschungsauftrag für die Deutsche Nationalakademie Leopoldina in Halle, die Schavan 2008 gegründet hatte. Beteiligt sind an dem Projekt zudem die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften (acatech) sowie die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.

Forschung / Atom
16.09.2009 · 17:07 Uhr
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