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Studie: Jugend optimistischer, Benachteiligte eher nicht

Jugendliche im BundestagGroßansicht

Berlin (dpa) - Deutschlands Jugendliche blicken optimistisch in die Zukunft - zumindest wenn der soziale Hintergrund stimmt.

Altersgenossen aus benachteiligten Familie leiden hingegen unter deutlich mehr Zukunftsängsten. Das geht aus der 16. Shell-Jugendstudie hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Ob Politikinteresse, Bildungschancen oder soziales Engagement: Die 12- bis 25-Jährigen aus benachteiligtem Milieu zeigen in allen Bereichen deutlich weniger Zuversicht. Während insgesamt fast drei Viertel der 2500 Befragten zufrieden mit ihrem Leben sind, äußern sich nur 40 Prozent der Jugendlichen aus der Unterschicht positiv.

«Es zeigt sich ein bemerkenswerter Optimismus, aber auch eine deutliche Schichtabhängigkeit», sagte Prof. Mathias Albert, der die Studie zusammen mit den Bielefelder Sozialwissenschaftlern Klaus Hurrelmann und Gudrun Quenzel sowie TNS Infratest Sozialforschung (München) im Auftrag von Shell verfasste. Fast ein Viertel der Befragten zählen zur Unterschicht (10 Prozent) und unteren Mittelschicht. «Insgesamt sind die Jugendlichen pragmatisch und selbstbewusst, weil sie aufs eigene Leistungspotenzial setzen.»

Bildung bleibt dabei der Schlüssel zum Erfolg: Zu Ausbildung und Berufseinstieg hat sich die Einstellung der Jugendlichen seit 2002 klar verbessert. Fast drei Viertel von ihnen gehen davon aus, sich ihre Berufswünsche erfüllen zu können. Bei den Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen glauben dies jedoch nur 41 Prozent. «Die Studie zeigt: Frühkindliche Bildung ist der Grundstein für Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten - das gilt ganz besonders für Kinder aus sozial schwächeren Familien», betonte auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).

Dagegen forderte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Bundesregierung auf, endlich einen Plan vorzulegen, «um den Kita- Ausbau seriös zu finanzieren». «Wenn wir nicht aufpassen, droht Deutschland eine psychologische Zweidrittelgesellschaft, in der ein Teil überzeugt ist, in ihrem Leben alles erreichen zu können, während der Rest vom Leben nichts mehr erwartet», so die SPD-Politikerin. «Statt elitären Stipendienprogrammen brauchen wir eine Ausbildungsgarantie für junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden.»

Als einen «Hilfeschrei an die Politik», endlich für Chancengleichheit im Bildungssystem zu sorgen, wertete der Grünen- Vorsitzende Cem Özdemir den pessimistischen Zukunftsblick vieler Jugendlicher aus sozial benachteiligten Schichten. «Die Gesellschaft schadet sich selbst massiv, wenn die Zukunftschancen der Kinder bereits im Kreißsaal ausgemacht sind.»

Angestiegen ist erneut der Wert der Familie: Mehr als 90 Prozent der Befragten haben ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern. Fast drei Viertel würden die eigenen Kinder - die sich mittlerweile 69 Prozent der Jugendlichen einmal wünschen - später genauso erziehen.

Als «besonders erfreulich» wertete die jugendpolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär, dass der Kinderwunsch der Jugendlichen zugenommen habe und der Wert der Familie gewachsen sei. «Das zeigt uns: Familie als Ort der Stabilität und des füreinander Einstehens muss weiter im Mittelpunkt politischer Entscheidungen stehen», erklärten Bär und ihr Fraktionskollege Peter Tauber.

Auch das Interesse an Politik regt sich laut Shell-Studie wieder, wiewohl weit unter dem Niveau der 70er und 80er Jahre - und auch nicht hin zu den etablierten Parteien. Letztere ernteten ebenso niedrige Bewertungen wie Regierung, Kirche und große Unternehmen,während Polizei, Gerichte, Bundeswehr, Menschenrechts- und Umweltgruppe viele Sympathiepunkte sammelten.

Drei Viertel der Jugendlichen halten den Klimawandel für ein großes Problem; zwei von Dreien sehen durch ihn sogar die Existenz der Menschheit bedroht. Immerhin jeder zweite spart im Alltag deshalb bewusst Energie. Auch das soziale Engagement ist gestiegen: Fast 40 Prozent der Befragten setzen sich häufig für soziale oder gesellschaftlichen Zwecke ein. Aber auch hier gilt: Je gebildeter die Jugendlichen, desto häufiger sind sie aktiv für den guten Zweck.

Studie

Gesellschaft / Jugend
14.09.2010 · 19:08 Uhr
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