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Studie: Einkommens-Unterschiede wachsen deutlich

In einem öffentlichen Mülleimer in Berlin sucht ein alter Mann, der am Stock geht, nach Verwertbarem (Archivfoto vom 23.10.2007).Großansicht
Berlin (dpa) - Die Kluft zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland hat sich nach einer Studie spürbar vergrößert und schürt Sorgen in der schrumpfenden Mittelschicht.

Diese sei der «Verlierer der Umschichtungen in der Einkommensverteilung im letzten Jahrzehnt», konstatierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin. Die Opposition forderte vor diesem Hintergrund, Wohlhabende stärker für das schwarz-gelbe Sparpaket heranzuziehen.

Im vergangenen Jahr hatten noch 61,5 Prozent der Menschen mittlere Nettoeinkommen zwischen 860 und 1844 Euro, wie DIW-Experte Jan Goebel sagte. Im Jahr 2000 seien es 66,5 Prozent gewesen. Im Gegenzug vergrößerte sich der Anteil der Menschen mit niedrigen Einkommen von 17,8 auf 21,7 Prozent. Die Gruppe der oberen Einkommen wuchs in diesem Zeitraum von 15,6 Prozent auf 16,8 Prozent.

Der Trend zu einer Polarisierung der Einkommen sei vor allem für Menschen in der Mittelschicht besorgniserregend, urteilten die Autoren der Studie. Dies nähre Verunsicherung, dass der eigene Status bedroht sei.

Als mittlere Einkommen definierten die Forscher alle Einkommen, die zwischen 70 und 150 Prozent des Durchschnittseinkommens in Deutschland entsprechen. Sie stützten die Analyse auf Daten ihres «Sozio-ökonomischen Panels», für das seit 1984 jährlich 11 000 Haushalten befragt werden.

Die Gegensätze zwischen ärmeren und reicheren Haushalten hätten sich demnach auch bei der Einkommenshöhe verstärkt. So sei der mittlere Verdienst der oberen Gruppe von 2400 Euro auf 2700 Euro im Jahr 2008 gestiegen. In der untereren Gruppe wurde dagegen für einen Singlehaushalt ein Rückgang von 680 Euro auf 645 Euro registriert.

DIW-Forscher Goebel sagte, beim geplanten Sparpaket der Koalition stelle sich die Frage, ob die Reichen nicht auch einen Beitrag leisten sollten. Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte, die Regierung verschärfe «die Zentrifugalkräfte, die unsere Gesellschaft in Arm und Reich auseinandertreiben». Nötig sei unter anderem eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles monierte, unterste Einkommen und die Mittelschicht würden damit überfordert, die Zeche der Krise alleine zu bezahlen. Linke-Chef Klaus Ernst forderte eine höhere Reichenbesteuerung und eine Bankenabgabe.

FDP-Fraktionsvize Patrick Döring warf dagegen den rot-grünen und schwarz-roten Vorgängerregierungen vor, die Mitte geschröpft zu haben. Mit dem geplanten Sparpaket werde es nun keine zusätzlichen Lasten für Normalverdiener geben.

Haushalt / Steuern / Koalition
15.06.2010 · 15:57 Uhr
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