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Streit um Rederecht für Euro-Rettungskritiker in neuer Runde

Durfte Parlamentspräsident Lammert Kritiker des Euro-Rettungsschirms außer der Reihe ans Rednerpult lassen? Das soll jetzt ein externer Gutachter klären.Großansicht

Berlin (dpa) - Der Streit über das Rederecht für Kritiker des Euro-Rettungsschirms im Bundestag weitet sich aus. Das Verhalten von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sei im Ältestenrat des Parlaments fraktionsübergreifend deutlich kritisiert worden, hieß es aus Kreisen der Unionsfraktion.

Lammert hatte den ausgewiesenen Kritikern Klaus-Peter Willsch (CDU) und Frank Schäffler (FDP) unabhängig von der Redezeit für ihre Fraktionen je fünf Minuten Rederecht in der Kernzeit gewährt.

Nach den Informationen aus der Unionsfraktion wird der Geschäftsordnungsausschuss des Bundestages einen externen Gutachter mit der juristischen Prüfung von Lammerts Vorgehen beauftragen. Das Gremium überwacht unter anderem die Einhaltung von Parlamentsregeln. Kritisiert wird vor allem, dass Lammert die Praxis durchbrochen habe, nach der die Parlamentarischen Geschäftsführer die den Fraktionen zustehende Redezeit auf ihre Abgeordneten verteilen.

Parlamentarier könnten abweichende Meinungen in persönlichen Erklärungen am Ende von Debatten oder auch in sogenannten Kurzinterventionen einbringen, hieß es in der CDU/CSU-Fraktion. Bedenklich sei aber, wenn allein die angekündigte abweichende Meinung eines Abgeordneten dazu führe, dass der Parlamentspräsident Rederecht zuteile. Er begebe sich auf schwieriges Terrain, wenn er sich «zum Oberschiedsrichter von Meinungen macht», lautete die Kritik. Es dürfe keine Inhaltskontrolle durch den Präsidenten geben.

Die Bundestagsverwaltung hatte am Donnerstag auf einen Kommentar im «Handbuch für die Parlamentarische Praxis» verwiesen, wonach redewilligen «Abweichlern» in jedem Fall das Wort zu erteilen sei.

Einer der Rettungsschirm-Kritiker, der FDP-Abgeordnete Schäffler, sagte den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Samstag): «Diese Diskussion finde ich peinlich für den Deutschen Bundestag.» Es sei um eine historische Entscheidung gegangen. «Dass man eine Debatte, die außerhalb des Bundestags sehr kontrovers geführt wird, im Parlament selbst nicht führen will, das diskreditiert den Bundestag und damit auch unsere Demokratie.»

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), gab dem Bundestagspräsidenten Rückendeckung. «Lammerts Erlaubnis, Abweichler reden zu lassen, ist in dieser konkreten Situation vertretbar und angemessen», sagte Polenz den «Westfälischen Nachrichten» (Samstag). So etwas könne zwar nicht der Normalfall sein, da die Redezeit nach Fraktionsstärke vergeben werde. «Doch in wichtigen Debatten wie der am Donnerstag ist eine Ausnahme vertretbar.»

EU / Finanzen / Bundestag / Lammert
30.09.2011 · 22:13 Uhr
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