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Streit um Kundus-Entschädigung

Bei dem Luftschlag von Kundus kamen dutzende Menschen ums Leben (Archivbild).Großansicht

Berlin (dpa) - Ein Jahr nach dem verheerenden Luftschlag von Kundus hält der Streit über die Entschädigung der afghanischen Opferfamilien an.

Der Bremer Anwalt Karim Popal forderte am Donnerstag jeweils 33 000 US-Dollar (28 000 Euro) für 113 Tote und damit sieben Mal so viel wie das Bundesverteidigungsministerium bisher zugesagt hat. Notfalls werde er auf Erhöhung der Summe klagen, sagte Popal. Bei einem NATO-Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Tachar östlich von Kundus kamen unterdessen zehn Mitarbeiter eines Parlaments-Kandidaten ums Leben.

Wie ein Sprecher der Provinzregierung im Einsatzgebiet der Bundeswehr am Donnerstag mitteilte, waren die Männer in mehreren Fahrzeugen auf dem Weg zu einer Wahlveranstaltung, als sie aus der Luft beschossen wurden. Der Politiker Abdul Wahid Khurasani, der sich bei der Wahl am 18. September um einen Sitz im Parlament von Kabul bewerben wollte, sei dabei verletzt worden. Präsident Hamid Karsai verurteilte den von der Internationalen Schutzgruppe bestätigten Angriff.

Ein Jahr nach dem Bombardement von Kundus ist weiterhin umstritten, wie viele Menschen dabei getötet wurden. In der Nacht zum 4. September 2009 hatte der Bundeswehroberst Georg Klein das Bombardement zweier von Taliban-Kämpfern gekaperter Tanklaster befohlen. Die Bundeswehr geht von 91 Toten und 11 schwer Verletzten aus. Die NATO war in ihrem ursprünglichen Untersuchungsbericht auf mindestens 142 Tote oder Verletzte gekommen. Nach Popals Recherchen wurden 137 Menschen getötet. Dokumente gebe es aber nur von 113 Opfern, sagte er.

Der Streit über die Entschädigung läuft bereits seit Monaten. Anfang August hatte das Verteidigungsministerium verkündet, 5000 Dollar (3900 Euro) pro Opfer zur Verfügung stellen zu wollen. «Das reicht nicht», sagte Popal. Er beruft sich darauf, dass unter Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) in einem Fall 33 000 Dollar für zivile Opfer gezahlt worden seien.

Auch der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele bezeichnete die Entschädigungsregelung als unzureichend. Die Linke-Abgeordnete Christine Buchholz sprach von einem «unwürdigen» Umgang mit den Opfern. Für den Jahrestag des Bombardements an diesem Samstag hat die Friedensbewegung eine Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin und ein Gedenken in der Heilig-Kreuz-Kirche geplant. Beide Veranstaltungen werden von den Grünen und der Linken unterstützt.

Konflikte / Afghanistan
02.09.2010 · 17:44 Uhr
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