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Strauss-Kahn hält sich bedeckt - Heimreise offen

Gut gelaunt verlassen Dominique Strauss-Kahn (r) und seine Anwälte William Taylor (l) and Benjamin Brafman am Dienstag das Gerichtsgebäude in New York City.Großansicht

New York/Paris (dpa) - Dominique Strauss-Kahn hält sich nach der Einstellung seines Strafverfahrens in New York bedeckt: Kein eiliger Aufbruch in die Heimat, keine juristische Gegenoffensive.

Das Ende der Anklage wegen versuchter Vergewaltigung feierte der 62-jährige Franzose nach einem Bericht der «New York Post» allein mit Frau und Tochter beim Italiener «L'Artusi» im schicken West Village von Manhattan.

Am Mittwoch wollte DSK nach Worten seines Anwaltes William Taylor seine Pässe bei der New Yorker Justiz abholen und anschließend möglicherweise nach Washington fahren. Nahe dem Hauptsitz des Internationalen Währungsfonds (IWF) besitzen der frühere IWF-Chef und seine Ehefrau Anne Sinclair ein Haus. «Sie wollen nach Washington und sehen, ob sie ihr Haus vermieten», sagte Taylor in der «New York Post».

Eine Anzeige gegen das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo wegen Falschaussage plant DSK nach Angaben seines Anwaltes Benjamin Brafman nicht. «Wir wollten das Ende des Strafverfahrens. Das haben wir erreicht», sagte Brafman der französischen Tageszeitung «Le Parisien» (Mittwoch). «Strauss-Kahn ist aus einem langen Alptraum erwacht. Nur diejenigen, die schon mal unschuldig angeklagt waren, wissen, was er durchgemacht hat», beschrieb der Anwalt die Gefühle seines Mandanten.

Diallo hatte Strauss-Kahn Mitte Mai wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt, der 62-Jährige saß anfangs auch im Gefängnis. Weil es Zweifel an der Glaubwürdigkeit der jungen Frau gab, wurde das Strafverfahren gegen Strauss-Kahn am Dienstag in New York eingestellt. Eine Zivilklage läuft noch. Durch sie könnte Diallo trotz des beendeten Strafverfahrens Schadenersatz erhalten. Dass es einen sexuellen Kontakt zwischen dem Franzosen und der Hotelangestellten gab, ist erwiesen. Beim Vorwurf der versuchten Vergewaltigung steht allerdings Aussage gegen Aussage.

Brafman sagte, dass er Strauss-Kahn rate, weiter zu dem genauen Ablauf der Ereignisse zu schweigen. «Wir haben immer gesagt, dass es keine Gewalt gab - dass die Beziehung nicht erzwungen, sondern einvernehmlich war. Abgesehen von diesen fundamentalen Aspekten, würde ich Strauss-Kahn nicht raten, zu erzählen, was in dem Zimmer passiert ist. Es war kein Verbrechen - das ist alles.»

Eine Verschwörung gegen Strauss-Kahn schloss Brafman nicht aus. «Wir stellen uns Fragen, auf die wir keine Antworten haben - vor allem auf internationaler Ebene», sagte der Jurist der Zeitung. Eventuell werde man obskuren Dingen weiter nachgehen. Er sei aber kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Ob Strauss-Kahn an einen Komplott glaube, wolle er nicht sagen.

Über die weiteren Zukunftspläne von Strauss-Kahn gab es am Mittwoch zunächst keine neuen Informationen. Am Dienstag hatte er in New York gesagt, er könne es kaum erwarten, in seine Heimat zurückzukehren. Vor der Abreise gebe es aber noch ein paar kleinere Dinge zu erledigen.

Strauss-Kahn galt bis zu seiner Verhaftung in New York als aussichtsreichster möglicher Kandidat der französischen Sozialisten für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr. Dass er versucht, doch noch teilzunehmen, gilt mittlerweile aber als nahezu ausgeschlossen.

In Frankreich laufen noch Vorermittlungen gegen den 62-Jährigen wegen versuchter Vergewaltigung. Eine junge Autorin wirft ihm vor, 2003 in einer Pariser Wohnung über sie hergefallen zu sein. Nach Ansicht von Experten könnte das Verfahren wegen fehlender Beweise allerdings ebenfalls eingestellt werden.

Vor dem bereits eingeleiteten Zivilverfahren gegen Strauss-Kahn in New York erwartet Anwalt Brafman nichts Neues. «Wenn die Aussage dieser Frau einmal als unglaubwürdig beurteilt wurde, wird das beim zweiten Mal nicht anders sein», urteilte der Anwalt weiter in «Le Parisien». Eine außergerichtliche Einigung mit Diallo sei nach wie vor ausgeschlossen. «Strauss-Kahn hat keine Absicht, ihr Geld zu geben - und er hatte sie auch nie».

Justiz / Kriminalität / Finanzen / USA / Frankreich
24.08.2011 · 17:29 Uhr
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