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Straßenkämpfe in Abidjan: Gbagbo will nicht aufgeben

Über Abidjan steigt Rauch auf. Ouattaras Truppen haben fast das ganze Land bis auf wenige Hochburgen Gbagbos eingenommen.Großansicht

Nairobi/Kapstadt/Abidjan (dpa) - Der blutige Kampf um die Macht in der Elfenbeinküste scheint zugunsten des Wahlsiegers Alassane Ouattara entschieden.

Dennoch kämpften die noch verbliebenen Anhänger des amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo am Freitag in Abidjan erbittert gegen vorrückende Truppen Ouattaras. In der Gegend des Präsidentenpalasts sowie nahe der Residenz des Staatsoberhaupts und bei einem Militärcamp werde noch immer gekämpft, berichtete Ouattara-Sprecher Patrich Achi in einem Telefoninterview des Senders BBC am Nachmittag. Der Rest des Landes sei unter Kontrolle der Republikanischen Truppen (FRCI) Ouattaras.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte Gbagbo am Freitagabend auf, er solle sofort zurücktreten und sich den Behörden stellen. Ashton rief zum Gewaltverzicht auf und betonte, dass die internationale Justiz Verbrechen gegen die Menschlichkeit verfolgen werde. Das französische Verteidigungsministerium teilte am Freitagabend in Paris mit, es habe die Zahl seiner Soldaten an der Elfenbeinküste um 150 auf nunmehr 1 100 aufgestockt

Gbagbo will allerdings nicht aufgeben, sagte sein Sprecher Abdon Georges Bayeto. «Der Präsident wird nicht zurücktreten.» Unklar war am Freitag der Aufenthaltsort des 65-Jährigen. Der abgewählte Präsident des westafrikanischen Landes scheine in der Nacht den Präsidentenpalast verlassen zu haben, berichtete die Zeitung «Le Monde» online. Eine Flucht ins Ausland wäre nur schwer möglich, da Ouattara die Grenzen hat schließen lassen. Die UN-Truppen haben derzeit den Flughafen Abidjans unter Kontrolle.

In den vergangenen Tagen hatten Ouattaras Truppen fast das ganze Land bis auf wenige Hochburgen Gbagbos eingenommen. Ein namentlich nicht genannter Offizier sagte der Nachrichtenagentur dpa in Abidjan: «Die Polizei und etwa 50 000 Soldaten haben ihre Posten aufgegeben. Für Gbagbo kämpfen nur noch etwa 2000 Mann aus Republikanischer Garde und bewaffneten Studenten». Auch ein Sprecher der UN-Friedenstruppen UNOCI sprach von rund 50 000 Soldaten und Offizieren, die übergelaufen seien oder die Waffen niedergelegt hätten.

Gbagbo weigert sich trotz der Wahlniederlage im November 2010, die Macht dem international anerkannten Wahlsieger Ouattara zu übergeben. Gbagbo geht dabei seit Monaten mit Waffengewalt gegen seine Widersacher vor und attackiert auch die UN-Friedenssoldaten im Land.

Ouattara forderte die Armee in einer Fernsehansprache auf, die Waffen niederzulegen und einen Bürgerkrieg zu vermeiden. «Ich rufe Sie auf, sich ihrem Land zur Verfügung zu stellen und zur Legalität zurückzukehren», sagte Ouattara im Sender TCI. Seit dem spätem Donnerstagabend sendet der staatliche Fernsehsender kein aktuelles Programm mehr, sondern strahlte nur noch Dokumentarsendungen aus.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte angesichts der anhaltenden Kämpfe vor einer «humanitären Katastrophe» in Abidjan. Nach UN-Schätzungen haben die Kämpfe zwischen den Anhängern von Gbagbo und Ouattara bisher etwa 500 Todesopfer gefordert. Etwa eine Million Menschen seien auf der Flucht. Eine schwedische UN-Mitarbeiterin wurde bei den Kämpfen am Donnerstag getötet. Sie wurde nach Angaben der örtlichen UN-Mission von einer verirrten Kugel auf einem Balkon eines Privathauses getroffen.

Die französische Botschaft in Abidjan rief ihre Landsleute dazu auf, in ihren Häusern zu bleiben. Hunderte Ausländer flüchteten französischen Medienberichten zufolge auf das Gelände französischer Truppen in Abidjan. «Wir hören Schüsse aus der Stadt, aber hier schießen die FRCI-Soldaten nur in die Luft, um zu zeigen, dass sie die Kontrolle haben», sagte einer von ihnen am Freitagmorgen im britischen Rundfunksender BBC. Die UN-Menschenrechtsbehörden äußerte sich südafrikanischen Fernsehberichten zufolge besorgt über Berichte, denen zufolge die Truppen Quattaras bei ihrem Vormarsch Zivilisten misshandelt und beraubt hätten.

Konflikte / Elfenbeinküste
01.04.2011 · 22:35 Uhr
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