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Stichwort: Die Gethsemanekirche

In der Gethsemanekirche hielten Oppositionelle 1989 Mahnwachen ab. Foto: Presse- und Informationsamt des Landes Berlin
Hamburg (dpa) - Die Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauer Berg gilt als ein Zentrum der friedlichen Revolution von 1989 in der DDR.

Das 1891-93 nach Plänen von August Orth in rotem Backstein errichtete evangelische Gotteshaus war bereits Anfang der 1980er Jahre ein Treffpunkt für engagierte Jugendliche und politisch Interessierte.

Im Januar 1988 gibt es dort Andachten für Demonstranten, die bei einer Kundgebung für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht inhaftiert wurden. Am 2. Oktober 1989 beginnen Friedensaktivisten eine Dauermahnwache für in Leipzig festgenommene Jugendliche. An der Kirchenfassade prangt die Losung «Wachet und Betet - Mahnwache für die zu Unrecht Inhaftierten». In der oft mit 3000 Menschen überfüllten Kirche werden allabendlich Fürbittgottesdienste gefeiert.

Während der Staats-Feiern zum 40-jährigen Bestehen der DDR wird die Gethsemanekirche am 7. Oktober zum Schutzraum für Oppositionelle. Auch direkt vor der Kirche prügeln Polizei und Staatssicherheit auf Demonstranten ein, bevor diese sich in das Gebäude retten. Am 8. Oktober werden rund 3000 Demonstranten vor der Kirche von Polizisten eingekesselt, rund 100 werden festgenommen.

Das Gotteshaus wird nun zur Kontakt- und Nachrichtenzentrale der friedlichen Revolution. Gedächtnisprotokolle der Opfer staatlicher Gewalt werden gesammelt und weiterverbreitet. Über ein Kontakttelefon werden Informationen aus anderen Teilen der DDR ausgetauscht. Die Kirche bleibt in den folgenden Wochen ein Zentrum des Protestes. Im April 1990 kommt die erste frei gewählte DDR-Volkskammer vor ihrer konstituierenden Sitzung zum Gottesdienst in der Gethsemanekirche zusammen.

Geschichte / Mauerfall / Deutschland
09.11.2009 · 12:00 Uhr
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