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Stahlmarkt: Aufschwung mit Hindernissen

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Essen/Salzgitter (dpa) - Eigentlich müssten sie jubeln - die deutschen Stahlkocher. Getragen von einer boomenden Konjunktur geht es in der durch die Wirtschaftskrise arg gebeutelten Branche endlich wieder aufwärts. Aber es ist ein Aufschwung mit Hindernissen.

Die Stahl- und Röhrenhersteller plagen Sorgen. Die Rohstoffkosten werden immer schwerer kalkulierbar. Erst im Frühjahr hatten die Rohstoffproduzenten ein Ende der seit Jahrzehnten gültigen langfristigen Vertragslaufzeiten durchgesetzt.

Noch ist unklar, ob zum 1. Oktober die bereits dritte Rohstoffpreisrunde für dieses Jahr bevorsteht. Zum 1. April und zum 1. Juli hatten die Rohstoffproduzenten ihre Preise bereits um bis zu 100 Prozent angehoben. Darauf hatten die Stahlproduzenten mit deutlichen Preiserhöhungen reagiert.

Nach einem kräftigen Aufschwung im ersten Halbjahr sind die Unsicherheiten gewachsen. Angesichts der erwarteten Stahlpreiserhöhungen hatten viele Kunden ihre Läger bereits im Frühjahr aufgefüllt, so dass die Stahlnachfrage in den Sommermonaten zurückgegangen ist.

Der Präsident der Düsseldorfer Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, hatte bereits vor einigen Wochen vor einer Euphorie angesichts der wieder anziehenden Stahlkonjunktur gewarnt. «Von einer Normalisierung sind wir noch weit entfernt», so Kerkhoff.

In den 27 EU-Staaten haben die Stahlhersteller allein im ersten Halbjahr 90 Millionen Tonnen Rohstahl erschmolzen und übertrafen damit den Vorjahreszeitraum um 45 Prozent. Auch am deutschen Stahlmarkt wird mit einem deutlichen Plus gerechnet. Für das Gesamtjahr 2010 rechnet die Branche mit einem deutlichen Anstieg der deutschen Rohstahlproduktion auf 43 Millionen Tonnen.

Auch beim Branchenprimus ThyssenKrupp laufen alle verfügbaren Hochöfen wieder auf Hochtouren. Bereits seit Mai gibt es keine Kurzarbeit unter den Stahlkochern des Unternehmens mehr. In seinen wichtigsten Stahlsparten schreibt das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. Das galt zumindest im dritten Quartal des Geschäftsjahres auch wieder für die lange defizitäre Sparte Edelstahl.

Anlaufverluste produzieren lediglich zwei Stahlwerks-Großprojekte in Brasilien und den USA, die im Sommer ihre Produktion aufgenommen haben. Erst im kommenden Geschäftsjahr sollen die Werke, in die das Unternehmen zusammen rund 8,8 Milliarden Euro investieren will, komplett hochgefahren werden und dann vor allem den amerikanischen Markt beliefern.

Die Nummer Zwei in Deutschland, Salzgitter Stahl, sieht das größte Problem in den Rohstoffkosten. «Die kurzfristigen Preisschwankungen der Rohstoffe minimieren weiterhin jegliche Planungssicherheit», heißt es bei Salzgitter. Beim Stahl sei für das Gesamtjahr kaum damit zu rechnen, das das zweite Halbjahr die Verluste aus den ersten sechs Monaten ausgleichen werde. Auch wegen des im Vergleich zu den Rohstoffkosten unzureichenden Niveaus der Absatzpreise habe Salzgitter in dem Sektor im ersten Halbjahr ein Minus verbucht.

Im Unternehmensbereich Röhren drückt die Verteuerung der Einsatzmaterialien bei gebuchten Großprojekten auf die Margen. Sogar der prestigeträchtige Folgeauftrag für den zweiten Strang der Ostseepipeline wird wegen der unerwarteten Verteuerung der Rohstoffe nun möglicherweise ein Verlustgeschäft. Im ersten Halbjahr bildete Salzgitter für drohende Verluste 13,2 Millionen Euro Rückstellungen.

Einen höheren zweistelligen Millionengewinn erwartet der Konzern dagegen im Handelsgeschäft. Die anziehende Nachfrage und steigende Preise haben auch dem konzernunabhängigen Stahlhändler Klöckner & Co zuletzt einen kräftigen Umsatz- und Gewinnanstieg beschert.

Klöckner-Vorstandschef Gisbert Rühl warnte jedoch zugleich davor, dass die Stahlpreise angesichts von zu schnell wieder hochgefahrenen Kapazitäten unter Druck geraten könnten. Nun sei es wichtig, dass sich die Stahlkocher disziplinierter verhielten und ihre Kapazitäten an den tatsächlichen Verbrauch anpassen. Andernfalls drohe in diesem Jahr eine Überproduktion von 25 Millionen Tonnen in Europa.

Stahl
13.08.2010 · 22:44 Uhr
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