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Staatsbegräbnis in Rom für Afghanistan-Opfer

Soldaten tragen während des Staatsbegräbnisses des Särge ihrer getöteten Kameraden.Großansicht
Rom (dpa) - In einer bewegenden Trauerfeier hat Italien Abschied von den sechs in der vergangenen Woche bei einem Selbstmordattentat in Afghanistan getöteten Soldaten genommen.

An dem Gottesdienst in der St.-Pauls-Basilika in Rom nahm die gesamte politische Spitze des Landes teil, allen voran Staatspräsident Giorgio Napolitano und Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Schon zuvor hatten Tausende die Straßen gesäumt, als die in die italienische Trikolore gehüllten Särge auf offenen Wagen zur Basilika gebracht wurden. Die Soldaten im Alter zwischen 26 und 35 Jahren waren am vergangenen Donnerstag bei einem Anschlag radikalislamischer Taliban auf einen Konvoi der internationalen ISAF-Truppe bei Kabul getötet worden.

Tausende Menschen versammelten sich auch vor der St.-Pauls- Basilika. Zu Beginn des Gottesdienstes wurde in ganz Italien eine Schweigeminute abgehalten. Die Trauerfeier wurde von zahlreichen Fernsehsendern live übertragen. Die Regierung hatte Staatstrauer angeordnet. Bereits am Sonntag hatten viele Italiener den in einem Militärkrankenhaus beim Kolosseum aufgebahrten Toten die letzte Ehre erwiesen.

«Gott erschafft viele Helden», gedachte Monsignore Vincenzo Pelvi, Erzbischof des italienischen Militärs, in seinem Gottesdienst der Opfer und würdigte die Toten als «Gefallene», die für Italien und den Frieden in der Welt ihr Leben gelassen hätten. Papst Benedikt XVI. erklärte in einem Beileidstelegramm, das während der Trauermesse verlesen wurde, er sei «erfüllt von Schmerz und Trauer durch das tragische Attentat» und bete, «auf dass Gott alle die unterstütze, die sich täglich dafür einsetzen, Frieden und Solidarität in der Welt aufzubauen».

Viele Trauernde konnten ihre Tränen nur schwer zurückhalten, vor allem als zwei Kinder der Opfer, der siebenjährige Martin und der zweijährige Simone, ihre Väter zum letzten Mal grüßten. Für kurze Unruhe während sorgte nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa ein älterer Mann, der sich in einem unbeobachteten Moment auf den Altar stürzte, um ein verzweifeltes «Frieden sofort» ins Mikrofon zu rufen.

Ein langer Applaus und der Schlachtruf «Folgore» (Blitz) des Regiments der getöteten Soldaten begleitete die Särge beim Verlassen der Basilika. Draußen zollten die Flieger der «Frecce Tricolore», der Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe, den Toten letzten Respekt.

Bei dem Bombenanschlag waren insgesamt 16 Menschen getötet worden, darunter auch 10 Zivilisten. Unter den 50 Verletzten waren vier weitere italienische Soldaten. Für Italien war es der verlustreichste Anschlag seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes. Insgesamt wurden am Hindukusch bisher 21 italienische Soldaten getötet. Der Anschlag entfachte in Italien erneut eine heftige Debatte um das Für und Wider der «Friedens-Mission». Gegenwärtig hat Italien etwa 2800 Soldaten im Westen Afghanistans sowie in Kabul stationiert.

Konflikte / Italien / Afghanistan
21.09.2009 · 14:10 Uhr
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