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Staatsanwalt will harte Strafe für Marco

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Antalya (dpa) - Der in der Türkei angeklagte Deutsche Marco (19) soll nach Ansicht der türkischen Staatsanwaltschaft trotz widersprüchlicher Beweislage wegen Vergewaltigung und Missbrauchs hart verurteilt werden.

Der Angeklagte habe sich beider Vergehen schuldig gemacht, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vor dem Gericht in Antalya. Er plädierte für eine mehrjährige Haftstrafe. Der Prozess soll nun am 15. Juli fortgesetzt werden. Dann wird nach dem Plädoyer der Verteidigung Marcos auch das Urteil erwartet. Eine Haftstrafe gegen Marco würde in Deutschland jedoch nicht vollstreckt.

Mehr als zwei Jahre nach der Festnahme Marcos begann der Verhandlungstag in Antalya mit einer Premiere. Erstmals durften Journalisten in den Gerichtssaal. Der Staatsanwalt sprach ruhig und ließ kaum Zweifel an der Schuld des abwesenden Angeklagten erkennen. Dass Marco in das Mädchen eingedrungen sei, sieht er als erwiesen an. Er glaubt auch der Darstellung der damals 13-jährigen Britin, dieses sei gegen ihren erklärten Willen geschehen.

Ein Urteil wäre noch am Freitag möglich gewesen, doch die Anwälte Marcos wollen das Plädoyer des Staatsanwaltes genau prüfen. «Wir wollen erreichen, dass Marco für unschuldig erklärt wird», sagte sein Verteidiger Ahmet Ersoy. «Ich glaube an seine Unschuld.»

Dagegen sieht sich Nebenkläger Ömer Aycan, der Vertreter des Mädchens Charlotte, bestätigt. «Der Staatsanwalt hat sich unserer Argumentation weitgehend angeschlossen. Er hat nur Zweifel, ob Marco das Mädchen psychisch geschädigt hat. Dann wären statt acht Jahren auch 15 Jahre Höchststrafe möglich», sagt er.

Die Forderungen nach einer harten Strafe steht allerdings im Gegensatz zu einer Entscheidung der deutschen Justiz, die ein Ermittlungsverfahren gegen Marco eingestellt hat. Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs habe sich nicht bestätigt, hatte die zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg erklärt.

Marco war am 12. April 2007 in einem Urlaubshotel an der türkischen Riviera festgenommen worden. Dem Schüler aus Uelzen wird vorgeworfen, die Britin im Osterurlaub missbraucht zu haben. Er bestreitet das und spricht von einvernehmlichen Zärtlichkeiten nach einem Discobesuch. Zudem habe das Mädchen ihm gesagt, es sei 15 Jahre alt.

Marco saß 247 Tage in türkischer Untersuchungshaft. Inzwischen absolviert er eine Ausbildung in Niedersachsen und muss zu den Prozessterminen nicht mehr in die Türkei reisen.

Rückblickend kann Marco von Glück reden, dass seine Anwälte wenigstens die Freilassung aus der Untersuchungshaft erreicht haben. In der EU sitzen etwa 90 Prozent der Gefängnisinsassen eine gerichtlich bestätigte Strafe ab. Aber in der Türkei sind nur etwa 40 Prozent der Häftlinge tatsächlich verurteilt, 60 Prozent warten noch auf den einen Richterspruch. Diese Zahl sei inakzeptabel hoch, sagte der türkische Justizminister Sadullah Ergin in dieser Woche.

Justiz / Türkei / Deutschland
05.06.2009 · 18:22 Uhr
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