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Spuren in Mordfall in Dubai werden heißer

Der Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh war im Januar in Geheimdienstmanier ermordet worden.Großansicht
Dubai/Paris/Berlin/London (dpa) - Nach dem mysteriösen Mord an einem ranghohen Hamas-Führer in einem Luxushotel in Dubai sind die Ermittler den mindestens elf Tätern offensichtlich auf der Spur. Die Polizei von Dubai kündigte für die nächsten Tage einige «Überraschungen» an.

Zugleich forderte Polizeichef Dahi Tamim eine internationale Untersuchung des Mordes. Für die Bundesregierung verlangte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Freitag eine schnelle Aufklärung des Falles. Die Ermordung des mutmaßlichen Waffenschmugglers Mahmud al-Mabhuh am 19. Januar wird in der kommenden Woche auch die EU-Außenminister beschäftigen.

Westerwelle versprach den Fahndern in Dubai Amtshilfe. «Wir wollen eine umfassende Sachaufklärung. Deutschland wird seinen Beitrag dazu leisten», sagte der FDP-Vorsitzende. «Wir werden tun, was wir können, um die Vereinigten Arabischen Emirate bei ihren Ermittlungen zu unterstützen.» Die Bundesrepublik ist betroffen, weil einer der elf Tatverdächtigen mit einem gefälschten deutschen Pass gereist war.

Über die Ermordung des 49 Jahre alten Al-Mabhuh wollen mehrere EU-Außenminister am Montag am Rande eines Treffens in Brüssel mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman sprechen. Lieberman hält sich am Montag in Brüssel zu einem seit längerem geplanten Besuch auf. Er nimmt jedoch nicht an den EU-Beratungen teil. Im Kreis der EU-Außenminister steht der Mord zwar nicht offiziell auf der Tagesordnung, doch könne keineswegs ausgeschlossen werden, dass darüber geredet werde, hieß es in Brüssel. Der israelische Geheimdienst Mossad steht im Verdacht, Agenten mit gefälschten Pässen aus EU-Ländern ausgestattet und mit dem Mord beauftragt zu haben.

Der Polizeichef von Dubai beschuldigte am Freitag erneut den Mossad, in das Attentat verstrickt zu sein. Dies sei «nahezu sicher», sagte Tamim der Tageszeitung «Gulf News». «Neue Elemente und weitere Untersuchungen werden jeden noch bestehenden Zweifel an den gefährlichen Verdächtigen beseitigen», sagte er. Der Polizeichef sprach von einem «international organisierten Verbrechen».

Die Ermittler in Dubai verdächtigen insgesamt zehn Männer und eine Frau, die mit gefälschten europäischen Pässen eingereist waren. Betroffen sind Großbritannien, Irland, Deutschland und Frankreich. Darüber hinaus sollen die Verdächtigen mit Telefonkarten aus Österreich telefoniert und dort möglicherweise eine Kommandozentrale gehabt haben. Nach Angaben der «Gulf News» gehen die Behörden in Dubai Informationen nach, wonach fünf Tatverdächtige US-Kreditkarten benutzt haben. Die Täter konnten mit ihren gefälschten europäischen Pässen flüchten. Jordanien hat inzwischen zwei Palästinenser ausgeliefert, die logistische Hilfe geliefert haben sollen.

Bei dem aufwendig inszenierten Mord soll ein Verdächtiger mit einem französischen Pass möglicherweise der Drahtzieher gewesen sein. Der Mann, der laut Pass Peter Elvinger heißt und auf dem Foto Vollbart, rasierte Glatze und Brille trägt, sei einer der Hauptverantwortlichen, schreibt die Zeitung «Le Parisien» (Freitag) unter Berufung auf Ermittler.

Die britische Regierung bestritt am Freitag, schon länger gewusst zu haben, dass die mutmaßlichen Täter gefälschte britische Pässe benutzten. «Wir haben Informationen darüber wenige Stunden vor der Pressekonferenz erhalten, die die Polizei in Dubai gehalten hat», zitierte die BBC einen Sprecher des Außenministeriums.

Die britische Zeitung «Daily Mail» schrieb, der Auslandsgeheimdienst MI5 habe schon vor dem Mord von einem israelischen Geheimagenten Hinweise auf eine bevorstehende Operation erhalten. «Großbritannien war nicht involviert (...), aber ihnen wurde mitgeteilt, dass diese Leute mit britischen Pässen reisen», berichtete das Blatt unter Berufung auf Geheimdienstsquellen.

Interpol hatte am Vortag die Passfotos und Namen der elf Verdächtigen im Internet veröffentlicht und eine «Red Notice» ausgestellt. Dabei handelt es sich nicht um einen internationalen Haftbefehl. Interpol hilft damit nach eigenen Angaben lediglich der Polizei der Vereinigten Arabischen Emirate, die von ihr per Haftbefehl gesuchten Personen zu identifizieren und aufzuspüren.

Konflikte / VAE / Nahost
19.02.2010 · 16:24 Uhr
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