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Sprachwissenschaftler: «Hartz IV» kein Unwort

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Berlin/Frankfurt (dpa) - Das Wort «Hartz IV» gehört inzwischen zur Alltagssprache in Deutschland - und ist nach Ansicht des Frankfurter Sprachwissenschaftlers Horst Dieter Schlosser kein «Unwort».

Dafür sei das Verhältnis zwischen Wort und Sache entscheidend, sagte der Initiator der «Unwort»-Aktion der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. «Wenn das nicht missverständlich ist, dann ist es kein Unwort.» Bei Hartz IV werde - anders als etwa bei der «Ich-AG», die 2002 «Unwort des Jahres» war - nichts verschleiert. «Es ist inzwischen so negativ besetzt bei den meisten Betroffenen, dass man nicht mehr dazu sagen muss», sagte der Sprachforscher. Zudem würden Eigennamen bei der Aktion nicht berücksichtigt.

Dass sich der Name des Erfinders der Arbeitsmarktreformen, Peter Hartz, durchgesetzt hat, führt Schlosser auf die Einfachheit zurück. Hartz IV sei längst nicht so sperrig wie der Name der offiziellen Verordnung: «Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt». Der Begriff Hartz IV sei «eine Folge der Sprachökonomie», und mit dem Initiator Peter Hartz habe sich das - wie bei der Riester-Rente oder den Röntgen-Strahlen - angeboten. «Das ist zunächst nur eine ganz normale Kürzung von bürokratisch noch sperrigeren Titeln», erläuterte Schlosser. Die Fachleute müsse man aber «immer wieder dran erinnern, dass sie eine etwas humanere Sprachkreativität walten lassen».

Nach fünf Jahren lässt sich der Begriff Hartz IV nach Meinung des Sprachwissenschaftlers nicht mehr verdrängen. «Es ist äußerst schwierig, gegen eingebürgerte Sprachgewohnheiten anzugehen», sagte Schlosser. Als Beispiel nannte er den kürzlichen Vorschlag, den Begriff «Bad Bank» durch «Beibootlösung» zu ersetzen. Dies werde kaum gelingen. Von Hartz IV abgeleitet, gebe es inzwischen sogar bei Jugendlichen das Tätigkeitswort «hartzen», das in etwa gleichbedeutend mit «rumhängen» sei. «Insofern ist es reihenbildend geworden», sagte Schlosser. Der Begriff «Verhartzung» werde allerdings nur vereinzelt verwendet.

Arbeitsmarkt / Soziales / Sprache
25.12.2009 · 13:17 Uhr
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