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Spiel mit dem Tod? - Deutsche an der Waffe

Aurora, New York, Syrien, Winnenden. Ein Thema verbindet alle Länder der Welt, Metropolen mit der Provinz. Es heißt Waffen. 2000 Menschen sterben jeden Tag irgendwo auf der Welt durch Handfeuerwaffen - und allein in Deutschland schießen mehr als zwei Millionen Menschen zum Spaß.

Am vergangenen Freitag ist in New York der Versuch der Vereinten Nationen gescheitert, ein globales Abkommen für den Handel mit Waffen zu schaffen. Syrische Rebellen erhalten aus dem Ausland heimlich Waffen, nur dank dieser Lieferungen können sie das Assad-Regime immer weiter in die Ecke drängen. In Aurora, Colorado, hat James Holmes alias der Batman-Attentäter die Diskussion um das Waffenrecht in den USA erneut angefeuert. Denn dort darf laut Verfassung «das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden».

Klicken Sie sich hier durch den internationalen Vergleich des Waffenrechts:

In Karlsruhe will das Bundesverfassungsgericht noch 2012 über eine Verfassungsbeschwerde entscheiden, die eine Gruppe von Eltern der Opfer des Winnenden-Amoklaufs gegen das deutsche Waffengesetz eingereicht haben. Ziel der Initiative ist das Verbot aller tödlichen Sportwaffen. Derweil peilen die Deutschen Schützen bei Olympia in London ganz offensiv fünf Medaillen an, zwei davon bitte in Gold.

Endlos ließe sich das Netz um den Globus verdichten, wenn es um Waffen geht, um Krieg, Mord und Sport. Kaum ein Thema ist so vielschichtig und umstritten. Deutschland war bei der Waffenkonferenz in New York Befürworter eines möglichst strengen Vertrags, und auch das innerdeutsche Waffenrecht wurde seit 1973 immer weiter verschärft.

Damals entstand das Gesetz mit dem Bestreben, «möglichst allen Bürgern in allen Regionen zu verwehren, sich zu bewehren», wie der Hamburger Regierungsdirektor Siegfried Schiller sagte, der an dem Gesetz mitwirkte. Seitdem gibt es private Schusswaffen nur noch gegen Lizenz und für Volljährige, die das «Bedürfnis» nach einer Waffen beweisen können - also Schützen, Jäger oder Sammler.

Erfahren Sie hier in unserer Bildergallerie, wer in Deutschland welche Waffen besitzt.

Schiller stieß damals mit seinem Gesetz auf harsche Kritik, und die Fronten zwischen Waffenhassern und Waffennarren sind nach wie vor verhärtet. Die einen meinen wie die Eltern der Winnenden-Opfer, tödliche Waffen gehörten nicht in die Hände von Privatleuten und damit verboten. Andere schlagen Kompromisse vor, wie die Grünen, die nach dem Amoklauf einer Sportschützin in Lörrach forderten, Sportwaffen aus Privaträumen zu verbannen und zentral aufzubewahren. Das wiederum hält die Polizei für gefährlich - solche Waffenlager müssten aufwändig bewacht werden.

Fakt ist jedoch, dass nur drei Prozent der Schusswaffen-Delikte mit legalen Waffen verübt werden und Mord und Totschlag in Deutschland zum Großteil mit Hieb- und Stichwaffen stattfindet, wie Wolfgang Dicke betont, Waffenexperte der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Festzuhalten ist tatsächlich, dass das Verbot von Privatwaffen in Großbritannien 1997 nicht mit Kriminalität, Mord und Totschlag aufgeräumt hat. Im Gegenteil. Wer Waffen will, besorgt sie sich illegal, so lautet das Credo der Polizei seit Jahrzehnten.

Kontrolle statt Verbot

Diese Zahlen sind Wasser auf die Mühlen der Sportschützen. Sie sind hierzulande stark in der Defensive, wie auch der Sprecher des Deutschen Schützenbundes zum Ausdruck bringt, wenn er sagt: «Sie hätten wahrscheinlich lieber eine dicke Wumme, aber die weitaus häufigste Waffe bei uns ist das Luftgewehr.» Toleranz statt Bevormundung wünschen sich die Schützen, die sich an die Regeln des strikten Waffengesetzes halten.

Lesen Sie dazu auch unserern Kommentar.

Daher wird von offizieller Seite derzeit vor allem gegen den Missbrauch von Waffen gearbeitet. Lange überfällig ist nach Meinung vieler Experten das zentrale Nationale Waffenregister, das derzeit in Köln aufgebaut wird. Noch in diesem Jahr soll es fertig sein, momentan legen Mitarbeiter die technische Basis, um die Daten aus bislang 550 kommunalen Erfassungssystemen in ein großes Register zu überführen. Dann ist für die Ermittler der Ort und Besitzer jeder in Deutschland registrierten Waffe leicht nachzuvollziehen, man kann sich auf mögliche Waffen am Einsatzort einstellen und auch illegalem Waffenhandel sei vorgebeugt, sagt eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.

Kontrolle statt Verbot ist seit 1973 die Devise in Deutschland - auf internationaler Ebene hat dieses Gebot jedoch keine Chance, wie die gescheiterten Verhandlungen in New York zeigen.

Aktuelles / Gesellschaft
[news.de] · 02.08.2012 · 11:44 Uhr
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