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«Spiegel»: Erstes Kundus-Opfer verklagt Bundeswehr

Tragödie von KundusGroßansicht

Berlin (dpa) - Ein Jahr nach dem verheerenden Tanklastwagen-Bombardement von Kundus hat ein erstes Opfer laut «Spiegel Online» die Bundeswehr auf Schadensersatz verklagt. Ein Fahrer der von Taliban entführten Lastwagen habe am Freitag seine Klage über deutsche Rechtsanwälte beim Landgericht Bonn eingereicht.

Darin verlange jener Abdul Malek Schmerzensgeld, weil er bei dem von der Bundeswehr angeordneten NATO-Bombardement am 4. September 2009 schwer verletzt worden sei. Zudem sei der Fahrer bei den deutschen Entschädigungszahlungen für die Opfer nicht berücksichtigt worden, berichtete «Spiegel Online».

Die Bundeswehr hatte nach langwierigen Verhandlungen vor vier Wochen verkündet, 5000 Dollar (3900 Euro) pro Opfer zur Verfügung stellen zu wollen. Die Angaben über die Opferzahlen gehen auseinander. Während die Bundeswehr von 91 Toten und 11 Schwerverletzten ausgeht, war in einem NATO-Bericht von mindestens 142 Toten oder Verletzten die Rede.

Die Lage in Nordafghanistan bleibt weiter unruhig. Am Sonntag gerieten deutsche Soldaten in der Nähe ihres Feldlagers Kundus unter Beschuss von Aufständischen. Bei dem Gefecht sei auf deutscher Seite niemand verletzt worden, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam.

In Berlin erinnerten am Samstag etwa 400 Menschen an die Opfer des Kundus-Bombardements vor einem Jahr. Vor dem Brandenburger Tor forderten Friedensgruppen den Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch. Als erstes Bundesland teilte unterdessen Brandenburg mit, keine Polizisten mehr als Ausbilder der örtlichen Sicherheitskräfte in den «bewaffneten Konflikt» nach Afghanistan zu schicken. Dies stieß in Niedersachsen auf Kritik. «Niedersachsen verurteilt dieses Vorgehen scharf, weil es die Mission am Hindukusch schwächt und die Arbeit der verbleibenden Polizeibeamten erschwert», erklärte Innenminister Uwe Schünemann am Sonntag in Hannover.

Bei einem Bombenanschlag im Einsatzgebiet der Bundeswehr kamen am Samstag in der Stadt Kundus sieben Afghanen ums Leben. Eine an einem Motorrad befestigte Bombe tötete auf dem größten Markt der Stadt vier Polizisten und drei Zivilisten. Weitere 16 Personen wurden verletzt.

Ungeachtet der sich verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan sieht Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) durchaus auch positive Entwicklungen im Land. So sei vor den für den 18. September geplanten Parlamentswahlen ein «bemerkenswertes Engagement» zu beobachten, sagte Lammert nach einer Afghanistan-Reise der Wochenzeitung «Das Parlament». Dies gelte sowohl für die Einrichtung der Wahllokale wie auch für Vorkehrungen im afghanischen Wahlsystem.

Konflikte / Afghanistan / Deutschland
05.09.2010 · 15:57 Uhr
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