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Spezialschiff nimmt Algen-Proben in der Ostsee

Ein Spezialschiff nimmt Proben des gigantischen Algenteppichs auf der Ostsee.Großansicht

Stralsund/Güstrow (dpa) - Wie gefährlich ist der auf Satellitenbildern erkennbare Algenteppich auf der Ostsee wirklich? Nachdem die Behörden für Mecklenburg- Vorpommerns Strände zunächst Entwarnung gegeben hatten, lief nun ein Messschiff aus. Ziel der Mission: konkrete Daten zum Algenwachstum.

Der riesige Algenfilm auf der mittleren Ostsee hat die deutschen Küsten zwar noch nicht erreicht - um sicher zu gehen, versuchten Experten am Donnerstag aber, genaue Daten zu Wachstum und Art der Bakterien zu sammeln. Am Morgen verließ ein Schiff der Wasserschutzpolizei den Stralsunder Hafen. Die Besatzung orientierte sich an aktuellen Satellitenbildern und machte sich nordwestlich von Rügen und vor Hiddensee auf die Suche, berichtete Katrin Stein aus dem Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow: «Das Beobachtungsschiff ist früh rausgefahren. Es schaut nun gezielt nach den Algen.»

Erste Ergebnisse werden am Freitag erwartet. Es gehe vor allem um die Bestimmung der einzelnen Arten, die in der Algenblüte auf hoher See enthalten sind. Der Teppich müsse nicht ausschließlich aus giftigen Blaualgen bestehen, betonte Stein. «Es dürfte aber schwierig werden, die genaue Zusammensetzung zu ermitteln.» Nach ersten Schätzungen handelt es sich um die für die Ostsee typischen Arten der Gattungen Anabaena und Nodularia. Viele können beim Menschen Hautreizungen hervorrufen. Badeverbote gab es bisher nicht.

Die Behörde bemühte sich, die Hoffnung von Urlaubern auf einen ungetrübten Badespaß aufrecht zu erhalten. Die ausgedehnte Algenfläche in diesem Sommer sei «nicht überraschend», beruhigte das Amt: «Ein akuter Befall größerer Strandabschnitte der Ostsee wurde bisher nicht registriert.» Auf Aufnahmen des ESA-Satelliten «Envisat» und Bildern des Instituts für Ostseeforschung in Rostock-Warnemünde (IOW) war der grün schimmernde Film vor allem südlich von Gotland, bei Bornholm und vor der schwedischen Küste zu sehen.

Doch auch weiter südlich in der Pommerschen Bucht, vor der Nordwestküste Rügens und in den inneren Küstengewässern (Stettiner Haff, Peenestrom, Strelasund) gab es «Anzeichen» für die giftigen Cyanobakterien. Auch in der Müritz, dem größten See innerhalb Deutschlands, wurden erste Blaualgen gesichtet. Badestellen waren aber nicht betroffen.

Die russischen Behörden berichteten ebenfalls von einer intensiven Algenblüte in der Ostsee. Solche Häufungen seien bei hohen Wassertemperaturen und einem gleichzeitig hohen Nährstoffgehalt aber nicht ungewöhnlich, meinten die Güstrower Fachbeamten. Letzteres hatte am Mittwoch Kritik der Umweltorganisation WWF hervorgerufen.

Die anhaltende und noch weiter zunehmende Überdüngung des Meeres begünstigt aus Sicht von WWF-Ostsee-Experte Jochen Lamp das Algenwachstum - und gefährdet durch den Sauerstoffentzug im Wasser das marine Ökosystem. Das Landesamt beharrte derweil auf seiner Einschätzung, die derzeitige Situation sei mit der Lage in den Vorjahren «vergleichbar». Die Wasserproben sollen nach der Rückkehr des Schiffes in Stralsund von Algenspezialisten untersucht werden. Es sei zu erwarten, «dass das bekannte Artenspektrum gefunden wird».

Auch IOW-Mikrobiologe Klaus Jürgens hatte darauf hingewiesen, dass es einen Trend zu stärkerem Algenwachstum in der Ostsee gibt. Grund sei die hohe Belastung mit Phosphaten, vor allem durch die Einleitung von Düngemitteln aus der Landwirtschaft. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Rostock widersprach dieser Beurteilung nicht. Für die unmittelbaren Küstenabschnitte bestehe jedoch kein Anlass zur Sorge, unterstrich Sprecherin Anja Neutzling. Berichte über einen Algenalarm am Strelasund seien falsch. «Da ist nach wie vor alles in Ordnung.»

Algenteppich

Landesamt

Algenreport

WWF-Ostseebüro

IOW

Umwelt / Ostsee
22.07.2010 · 15:35 Uhr
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