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Späte Rettung: Helfer bergen Jungen nach 108 Stunden

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Istanbul (dpa) - Bergungsteams haben 108 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei einen völlig erschöpften 13-jährigen Jungen aus den Trümmern gerettet. «Direkt nach dem Beben hörte ich schon Stimmen der Rettungsmannschaften.

Ich rief um Hilfe, aber sie hörten mich nicht, weil ich im Erdgeschoss war», sagte der kleine Ferhat Tokay am Freitag der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Nachdem mehrere Wände des eingestürzten sechsstöckigen Gebäudes in Ercis abgetragen waren, habe er auf sich aufmerksam machen können. Die Stadt in der Provinz Van ist besonders schlimm von der Katastrophe betroffen.

Der Krisenstab der Regierung teilte am Freitag mit, dass bislang 187 Menschen lebend geborgen worden seien. Die Zahl der geborgenen Leichen sei nach dem Beben vom Sonntag auf 573 gestiegen. Die Zahl der bei dem Beben Verletzten wurde auf 2608 nach oben korrigiert.

Schon am Donnerstag waren zwei Jugendliche im Alter von 18 und 19 Jahren gerettet worden. Der 18-jährige, der am Freitag zusammen mit Ferhat Tokay in einem Krankenzimmer lag, sagte, er habe seinen Durst mit Regenwasser stillen können. «Ich habe die ganze Zeit daran geglaubt, dass ich gerettet werde», sagte er. Er habe den Lärm der bei der Bergung eingesetzten Maschinen gehört.

Die Provinz Van liegt im Südosten des Landes und grenzt an den Iran. Sie wird mehrheitlich von Kurden bewohnt. Die Türkei wird immer wieder von heftigen Erdbeben heimgesucht. Die international bekannte Kurdenpolitikerin Leyla Zana kritisierte am Vorabend die türkische Regierung wegen der Ablehnung ausländischer Hilfe in den ersten Tagen nach dem Erdbeben scharf. «Wäre die Türkei ein entwickeltes Land, hätte sie internationale Hilfe angenommen. Die Rettungsarbeiten hätten viel schneller vorankommen können», sagte Zana am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa im schwer zerstörten Dorf Güvecli.

Türkische Zeitungen berichteten am Freitag unter Berufung auf Experten, in der Türkei seien etwa 40 Prozent der Gebäude bei Erdbeben stark einsturzgefährdet. Allein in Istanbul müssten demnach zehn Prozent der Häuser umgehend durch Neubauten ersetzt werden. Für das Land seien Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe nötig. Die Einnahmen aus einer 1999 eingeführte Erdbebensteuer seien aber für Bildung, Straßenbau und das Gesundheitswesen verwendet worden.

Erdbeben / Türkei
28.10.2011 · 14:43 Uhr
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