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«Sozialtourismus» zum «Unwort des Jahres 2013» gewählt

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Darmstadt (dpa) - Mitten in der Debatte über Zuwanderung ist der Begriff «Sozialtourismus» zum «Unwort des Jahres 2013» gewählt worden. Der Ausdruck «diskriminiert Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchen, und verschleiert ihr prinzipielles Recht hierzu», erläuterte die Jury-Vorsitzende Nina Janich.

«Von einigen Politikern und Medien wurde gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht.» In diesem Zusammenhang fiel auch der Begriff «Armutszuwanderung», den die Jury ebenfalls kritisierte. Politiker und Verbände begrüßten die Wahl.

«Sozialtourismus» treibt die Unterstellung einer böswilligen Absicht jedoch auf die Spitze», sagte Janich. Auch dieses Jahr wurde ein Begriff gewählt, der nicht oft vorgeschlagen worden war: «Sozialtourismus» war lediglich dreimal genannt worden, «Opfer-Abo» für 2012 sogar nur einmal. Der Begriff Armutszuwanderung/Armutseinwanderung war 15 Mal eingeschickt worden.

Für das «Unwort» gingen dieses Mal 1340 Einsendungen ein, weniger als in den beiden Jahren davor. Die «Unwort»-Aktion gibt es seit 1991. Die Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten. Der jährlich wechselnde Gast war in diesem Jahr der Schriftsteller Ingo Schulze («Simple Storys»).

Am häufigsten genannt wurde für 2013 mit 45 Vorschlägen «Supergrundrecht» - eine Bezeichnung, die während der NSA-Abhöraffäre der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich gebrauchte. Der CSU-Politiker war der Meinung, für Deutsche sei Sicherheit ein extrem wichtiges Recht, ein «Supergrundrecht». Es stehe höher als andere Grundrechte.

Mit dem Begriff «Armutszuwanderung» bezeichnet die CSU gering qualifizierte Migranten, die nach ihrer Einschätzung vor allem Sozialleistungen in Anspruch nehmen wollen, aber kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Den Begriff «Sozialtourismus» hat laut Jury jetzt Staatssekretär Günter Krings (CDU) aus dem Bundesinnenministerium neu in Umlauf gebracht. Auch in der Berichterstattung der Deutschen Presse-Agentur dpa kam das Wort vor.

Die Entscheidung stieß auf positive Reaktionen. Die Jury habe in der aktuellen Debatte über die sozialen Rechte von Zuwanderern «eine absolut gute Entscheidung getroffen zum absolut richtigen Zeitpunkt», sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, der dpa.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte: «Dass es in dieser Republik Leute gibt, die auf dem Rücken derjenigen, die aus einer Armuts- und häufig auch aus einer Diskriminierungssituation fliehen, Ängste schüren, ist nicht akzeptabel.»

Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Matthias Höhn, forderte, den Begriff «Sozialtourismus» in der politischen Debatte zu ächten. Der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, Heinrich Detering, sagte, der Begriff sei «schon in sich zynisch und menschenfeindlich». Auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) begrüßte die Entscheidung.

Der Präsident des Deutschen Städtetages, Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD), sprach von «einem Treffer». Der Trendforscher Matthias Horx aus Frankfurt meinte, Wörter könnten «semantische Leerstellen» im Bewusstsein besetzen - und damit unsere Welt-Wahrnehmung bestimmen. Der Mainzer Soziologe Stefan Hradil hält «Sozialtourismus» für einen populistischen Begriff, der Ängste schüren soll.

Neben der «Unwort»-Jury wählt davon getrennt und einige Zeit vorher die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das «Wort des Jahres». Für 2013 ist es «GroKo». Der Kurz-Begriff für die große Koalition in Berlin charakterisiere am besten das zu Ende gehende Wahljahr.

Gesellschaft / Sprache
14.01.2014 · 17:46 Uhr
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