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Sorgen nach dem Terroralarm? «Was passiert, passiert»

Berlin (dpa) - Tag eins nach der Terrorwarnung: Polizisten patrouillieren durch Terminals und Bahnhofshallen in deutschen Städten. Auf dem Düsseldorfer Flughafen sucht ein Spürhund vorsorglich nach Sprengstoff, im Seehafen Rostock stehen schwer bewaffnete Polizisten vor einer Skandinavien-Fähre.

Rings um das Reichstagsgebäude in Berlin werden Absperrgitter aufgebaut. Eine der größten Sorgen der Sicherheitsbehörden gilt jedoch den Weihnachtsmärkten. Lichterglanz und Glühweinduft werden in den kommenden Wochen schätzungsweise 160 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland in die deutschen Innenstädte locken. Die rund 2500 Weihnachtsmärkte versuchen sich dabei mit Superlativen zu übertrumpfen: In München blubbert die angeblich weltgrößte Feuerzangenbowle, in Kassel steht die größte Märchenpyramide, und Leipzig wirbt mit einem 857 Quadratmeter großen Adventskalender.

Weil Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch von einem möglichen Anschlag noch vor Weihnachten gesprochen hatte, fürchten die Sicherheitsexperten den adventlichen Trubel besonders. Dabei haben sie auch die versuchte Sprengstoffattacke einer algerischen Gruppe auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg vor genau zehn Jahren vor Augen. Damals konnte die geplante Sprengung eines Dampfkochtopfes in letzter Minute verhindert werden.

Die Schausteller, für die der Budenzauber traditionell ein Riesengeschäft ist, sind alarmiert. «Wir möchten aber keine Panik verbreiten», betont der Präsident des Bundesverbands Deutscher Schausteller, Hans-Peter Arens, der Grillschinken in Dortmund verkauft. In Berlin kündigten bereits einige Weihnachtsmarktbetreiber verstärkte Sicherheitsvorkehrungen an. Auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt will die Polizei mehr präsent sein als sonst. Außerdem sollten die Besucher auf herrenlose Taschen achten.

Einbußen fürchten die Standbetreiber nach eigenen Worten aber nicht. Nach Schätzungen des Schaustellerverbandes werden jährlich drei bis fünf Milliarden Euro Umsatz auf den deutschen Weihnachtsmärkten erzielt. Auch der Einzelhandel nimmt die Terrorwarnung ernst und will den Wachschutz in den Geschäften schulen. Taschenkontrollen werde es aber nicht geben, heißt es beim Branchenverband HDE.

Vor dem Frankfurter Römerberg, wo gerade die ersten Marktbuden aufgebaut werden, lassen sich die meisten Passanten von der drohenden Anschlagsgefahr aber nicht aus der Ruhe bringen. «Es mag ja sein, dass ein Anschlag in Vorbereitung ist. Aber warum sollte mir das Angst machen?», fragt der 64 Jahre alte Georg Müller. Madeleine Braun ist etwas vorsichtiger: «Ich würde jedenfalls nicht auf den Weihnachtsmarkt gehen. Da sind so viele Leute. Wenn einer einen Terroranschlag verübt, dann dort», glaubt die 68-Jährige.

In der Frankfurter U-Bahn sind nur wenig besorgte Gesichter zu sehen. «Ein mulmiges Gefühl vielleicht beim Bahnfahren. Aber Angst? Nein!» sagt Lutz-Stefan Litzenbauer. Der 36-Jährige vertraut den Sicherheitsbehörden und glaubt, dass sie keinen Anschlag zulassen werden. Ingeborg Steiner zuckt mit den Schultern: «Ich bin da ziemlich pragmatisch. Was passiert, passiert.» Die Frankfurterin glaubt aber nicht, dass die massive Polizeipräsenz Terroristen abschreckt: «Was können die denn schon machen, wenn zehn Meter daneben eine Bombe explodiert?» Trotzdem findet sie es gut, wenn mehr Beamte unterwegs sind: «Viele Augen sehen mehr.»

Bisher gebe es keine Anzeichen für Hysterie und Panik bei den Bürgern, sagt die Kölner Journalistin Sabine Bode, Autorin des Buches «Die deutsche Krankheit - German Angst». Anscheinend könnten die Deutschen mit einem konkreten Risiko besser umgehen als mit einer wenig greifbaren Bedrohung wie zum Beispiel der Vogelgrippe. «Wenn es konkret wird, reagieren die Deutschen eigentlich recht vernünftig.»

Innere Sicherheit / Terrorismus
18.11.2010 · 23:07 Uhr
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