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Somalia: Nach Rückzug der Miliz droht Guerilla-Krieg

Somalische Regierungssoldaten in Mogadischu. Nach dem Abzug der Al-Schabaab-Milizen droht nun ein Guerilla-Krieg. (Foto: Stuart Price/AU-UN IST)Großansicht

Mogadischu (dpa) - Mitten in der schwersten Hungerkrise seit Jahren deutet sich im Bürgerkriegsland Somalia eine politische Umwälzung an: Die Regierung hat die radikalislamischen Milizen der Al-Schabaab am Samstag in nächtlichen Kämpfen aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben.

Al-Schabaab sprach von einem taktischen Rückzug und kündigte neue Angriffe an. In dem Krisenland am Horn von Afrika, das besonders hart von der Dürrekatastrophe betroffen ist, gibt es seit 20 Jahren keine funktionierende Zentralregierung mehr. Die vom Westen unterstützte Regierung beherrscht bisher nur kleine Teile des seit dem Bürgerkrieg von 1991 zerrissenen Landes und nicht einmal die ganze Hauptstadt.

Der arabische Sender Al Dschasira zeigte am Sonntag Bilder vom verlassenen örtlichen Stadion, das zuvor als Festung der Rebellen galt. Ein Journalist vor Ort sagte: «Es scheint so, als ob sie planen, als Guerillagruppe weiterzukämpfen.» Wenn die Kämpfer eine solche Kampagne starten würden, dann wäre es für die Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) und die Regierung schwer, sich dagegen zu verteidigen, hieß es.

Der frühere Ministerpräsident des Landes, Ali Khalif Galaydh, sagte dem Sender, die Miliz sei seit Jahren zerstritten. Vor allem in der Führungsspitze gebe es Unstimmigkeiten, speziell über die Entscheidung, Hilfslieferungen westlicher Organisationen an die hungernde Bevölkerung zu verbieten. Der britische Sender BBC berichtete, dass die Finanzierungen der Gruppe durch die arabische Welt geschrumpft und sie deshalb militärisch geschwächt sei.

Der somalische Präsident Scheich Scharif Scheich Ahmed hatte am Samstag die Sicherheitskräfte für die Vertreibung der «Friedenhasser und Terroristen» aus der Hauptstadt gelobt. «Ich rufe die somalische Bevölkerung dazu auf, ihren Soldaten zu helfen und sie zu unterstützen und alle Al-Schabaab-Mitglieder auszuliefern, die sich in ihren Häusern verstecken», erklärte er am Samstag. Es sei Zeit, «die Früchte des Friedens zu ernten».

Ministerpräsident Abdiweli Mohamed Ali bestätigte in seinem schwer gesicherten Regierungssitz, dass Mogadischu nun unter der kompletten Kontrolle der Regierung sei: «Wir werden damit fortfahren, Al-Schabaab in allen Regionen Somalias zu vernichten.»

Dagegen hatte Al-Schabaab-Sprecher Scheich Ali Mohamud Rage erklärt: «Wir haben unsere Taktik geändert. Deshalb haben wir uns aus Mogadischu zurückgezogen.» Nun würden die Angriffe verdoppelt, sagte er im lokalen Rundfunksender Radio Koran (IQK). «Wir werden ihnen in den kommenden Stunden eine unvergessliche Lehre erteilen.»

Die 2009 nach einer Friedensregelung gebildete Regierung wird von Friedenstruppen der Afrikanischen Union AMISOM unterstützt. Sie wird jedoch von der Al Schabaab bekämpft, die große Teile Südsomalias beherrscht, wo die Hungersnot besonders schlimm ist.

Erst am Freitag hatte sich aber gezeigt, wie wenig die Regierung selbst ihr eigenes Militär unter Kontrolle hat: Bei einem bewaffneten Angriff auf UN-Lastwagen mit Lebensmitteln für die Hungernden waren mehrere Menschen getötet worden. Medienberichten zufolge sollen Regierungssoldaten für die Plünderung verantwortlich gewesen sein.

Dennoch gilt der Rückzug der Al-Schabaab als Durchbruch: «Erstmals seit 20 Jahren haben die Somalier jetzt die goldene Gelegenheit zu sehen, dass ihre Regierung Mogadischu vollständig beherrscht», erklärte Regierungssprecher Abdirahman Omar Osman der Deutschen Presse-Agentur.

Der Bürgerkrieg erschwert die Versorgung der Hungernden in der größten Dürre seit Jahrzehnten. Seit Jahren lassen die Rebellen nur bedingt Hilfslieferungen an die leidende Bevölkerung zu. Sie begründen dies damit, dass viele westliche Organisationen politische Ziele verfolgten. Zuletzt drohten sie mit Angriffen auf die Lager in und um Mogadischu, in denen mehr als 100 000 Hungernde Zuflucht gesucht haben. Die Schabaab-Milizen kämpfen für einen islamischen Gottesstaat am Horn von Afrika, der sich an einem weltweiten Dschihad beteiligt.

Hunger / Konflikte / Somalia
07.08.2011 · 12:43 Uhr
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