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Sohn von Nordkoreas Herrscher kritisiert Kim-Erbfolge

Kim Jong NamGroßansicht

Seoul/Tokio (dpa) - Der älteste Sohn des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Il hat die Erbfolgepläne seines Vaters offen infrage gestellt. Trotzdem verspricht er, seinen jüngeren Bruder unterstützen, sollte der erwartungsgemäß an die Macht kommen.

«Persönlich bin ich gegen die Nachfolge in dritter Generation», zitierte der japanische Sender Asahi TV am Dienstag den 38-jährigen Kim Jong Nam, der in den vergangenen Jahren zum großen Teil im Ausland gelebt hat. Es hätten wohl interne Faktoren für die Nachfolgeregelung den Ausschlag gegeben. Man müsse die Gründe akzeptieren.

Das Interview wurde laut Asahi am Samstag in Peking aufgezeichnet, einen Tag bevor Kim Jong Il mit seinem jüngsten Sohn und wahrscheinlichen Nachfolger Kim Jong Un eine große Militärparade in Pjöngjang abgehalten hatte. Der 68 Jahre alte Diktator selbst steht seit dem Tod seines Vaters, des «ewigen Präsidenten» Kim Il Sung, im Juli 1994 an der Staatsspitze.

Kim Jong Nam deutete an, dass er selbst keine Ambitionen auf die Führungsrolle habe. Beobachter schlossen deshalb zunächst einen Machtkampf unter den Brüdern aus. «Ich denke, mein Vater hat sich entschieden», sagte der älteste von drei Söhnen. «Ich bedauere es nicht und ich bin nicht daran interessiert.» Er hoffe, sein Bruder werde das Beste für die Nordkoreaner tun. «Ich bin bereit, meinem Bruder jederzeit aus dem Ausland zu helfen, wenn er mich braucht.»

Kim Jong Nam hatte neben seinen beiden Brüdern, die von einer anderen Mutter stammen sollen, einmal selbst als potenzieller Nachfolger von Kim Jong Il gegolten. Er soll jedoch bei seinem Vater in Ungnade gefallen sein, als er vor neun Jahren mit einem falschen Pass in Japan erwischt wurde. Auch steht er im Ruf, in den vergangenen Jahren ein zum Teil ausschweifendes Leben in Macau und China geführt zu haben. Er war bisher der einzige Nachkomme des Machthabers, der sich auch offen in Interviews äußerte.

Ende September hatte der Machthaber seinen Sohn Kim Jong Un bei einem Treffen der Arbeiterpartei zwei hohe Parteiposten anvertraut. Zuvor hatte er ihm bereits den Rang eines Vier-Sterne-Generals verliehen. Dies wurde allgemein als Zeichen für die Positionierung Kim Jong Uns als Nachfolger interpretiert.

Über ihn ist wenig bekannt. Er soll wie der zweitälteste Sohn Kim Jong Chul (29) eine internationale Schule in der Schweiz besucht haben. In südkoreanischen Medien gab es nach den ersten öffentlichen Auftritten Kim Jong Uns Spekulationen, wonach er sich einer kosmetischen Operation unterzogen haben könnte, um seinem als Staatsgründer verehrten Großvater Kim Il Sung noch ähnlicher zu sehen.

Innenpolitik / Nordkorea
12.10.2010 · 17:10 Uhr
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