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Soforthilfe für Krater-Anwohner

Krater im WohngebietGroßansicht

Schmalkalden (dpa) - Am riesigen Erdtrichter in einem Wohngebiet von Schmalkalden kommen die Sicherungsarbeiten in Gang: Aller Voraussicht nach würden am Donnerstag die ersten Laster mit Kies heranrollen, um den etwa 20 Meter tiefen Krater zu füllen, sagte CDU-Landrat Ralf Luther.

Zuletzt wurden Stromleitungen verlegt, um ein Plateau für den tonnenschweren Spezialbagger zu schaffen. Der Bagger soll den Schlund zuschaufeln. Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) stellte unterdessen eine Finanzspritze für die betroffenen Anwohner in Aussicht.

«Ich setze mich dafür ein, dass die am stärksten von den Folgen des Erdfalls betroffenen Menschen eine Soforthilfe des Landes erhalten. So, wie es auch in Tiefenort geschehen ist», erklärte Reinholz am Mittwoch in Erfurt. Der Freistaat hatte nach dem Erdfall in Tiefenort zu Jahresbeginn insgesamt 130 000 Euro bereitgestellt. Reinholz will sich am Donnerstag noch einmal in Schmalkalden ein Bild von den Arbeiten am Erdtrichter machen.

Der Bagger mit einem mehr als 18 Meter langen Greifarm wird nördlich des Erdlochs, wohl rund 15 Meter von der Abbruchkante entfernt, stehen. Neben der steilen und engen Hangstraße bereitete vor allem der brüchige Untergrund Probleme.

«Wir müssen zunächst alles, was gerissen ist, wegnehmen und dann schauen, was uns erwartet», beschrieb der Niederlassungsleiter der für die Arbeiten zuständigen Baufirma, Heinz Schleicher, die Aufgabe. «Sicherheit geht vor.» Entgegen erster Planungen wird aber auf den Einsatz eines Förderbandes verzichtet, sagte Landrat Luther. «Die Arbeiten mit dem Bagger sind effektiver.»

Die Bewohner der fünf gesperrten Häuser durften am Mittwochmorgen noch einmal für zwei Stunden zurückkehren, um weitere Habseligkeiten zu holen. Die Stadt half mit Fahrzeugen beim Möbeltransport. «Während der Arbeiten darf keiner mehr in die evakuierten Gebäude. Das wäre zu gefährlich», sagte Bürgermeister Thomas Kaminski. Die Wohnungsgenossenschaft stelle Unterkünfte für die 17 betroffenen Menschen bereit. Zunächst übernimmt die Stadt die Mietkosten.

Das Zuschütten des Schlundes wird ein langwieriges Unterfangen: «Die Leute werden mit wochenlangen Lkw-Verkehr zu leben haben», sagte der Bürgermeister. Die dafür benötigten 40 000 Tonnen Kies sollen aus einer knapp zwölf Kilometer entfernten Grube herangekarrt werden. Etwa 2000 Lastwagen-Ladungen sind notwendig.

Experten fürchten vor allem Gefahren bei starkem Regen. Der könnte weitere Ausspülungen und neue Erdeinbrüche auslösen. Vorbeugend wurden daher Wasser- und Abwasserleitungen verlegt, um das Loch vor einem Wassereinbruch zu schützen. Um mehr über die Gesteinsschichten im Untergrund zu erfahren, soll es eine Untersuchungsbohrung geben.

Der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler forderte unterdessen ein Programm zur Erkundung des Untergrunds in Deutschland. Bislang sei die geologische Beschaffenheit des Bodens bei weitem nicht so gut und intensiv untersucht, wie es notwendig wäre, erklärte Verbandsgeschäftsführer Hans-Jürgen Weyer.

Der Krater war in der Nacht zum Montag in der Wohnsiedlung an einem Hang der Südthüringer Fachwerkstadt aufgebrochen. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Ein Auto rutschte in die Tiefe, die Straße brach weg. Das fast kreisrunde Loch hat einen Durchmesser von gut 35 Metern. Geologen gehen von einer natürlichen Ursache für das tiefe Loch aus. Gegenwärtig gibt es nach Aussage des Bürgermeisters nur noch leichte Bewegungen am Kraterrand.

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03.11.2010 · 16:25 Uhr
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